Mr. Turner - Meister des Lichts

Drama, GB 2014
Timothy Spall mimt den egozentrischen Künstler

Timothy Spall mimt den egozentrischen Künstler

Mike Leigh, Altmeister des New British Cinema, hat das Leben eines Landsmanns und Maler-Giganten verfilmt. "Mr. Turner - Meister des Lichts" mit dem grandiosen Timothy Spall wurde dabei selbst zum Meisterwerk. Vor dem Hintergrund des Großbritanniens des 19. Jahrhunderts, setzt der 71-jährige Regisseur die Charakterstudie eines radikalen Künstlers ins Bild.

Die Augen zusammengekniffen im bulligen Gesicht, die Unterlippe meist unvorteilhaft vorgeschoben, die kompakte Gestalt vom schlecht sitzenden Gehrock umhüllt. Zum vierschrötigen Äußeren passt das bärbeißige Verhalten: Ehemalige Geliebte und uneheliche Kinder werden ebenso grob missachtet wie überhaupt jede soziale Konvention. Doch der Mann, der so durch sein Leben wandert, ist zu äußerster Sensibilität und Zärtlichkeit fähig. Er ist das englische Malergenie Joseph Mallord William Turner (1775-1851).

Denn bereits 60 Jahre vor den Abstrakten des 20. Jahrhunderts schuf Turner etwa in seinen Seestücken und Landschaften mehr und mehr reine, lichte Farbflächen, die mit vermeintlich realistischer Wiedergabe nichts zu tun haben. Sie bieten Projektionsflächen für eine Bandbreite auch zwiespältiger Gefühle im Betrachter. Ein Umbruch auf Leinwand und Papier, der den Umwälzungen der französischen und industriellen Revolution entspricht. Auf seiner Suche nach dem Licht führt Turners Weg ihn von seinem Londoner Atelier über Adelspalast und Bordell immer wieder an die Küste nach Margate.

Für Regisseur Mike Leigh, bisher vor allem für seine sozialkritischen Arbeiten über das Leben kleiner Leute geschätzt, erfüllte sich mit dem Turner-Projekt ein Lebenstraum. "Die tiefe, vollendete, geistige und unendliche Schönheit und zugleich das entsetzliche Drama spüren zu lassen, was es bedeutet, auf dieser Welt zu sein", schreibt er im Presseheft.

Hauptdarsteller Spall nahm zwei Jahre lang Malunterricht für die Rolle. Beim diesjährigen Festival in Cannes wurde er als "Bester Darsteller" geehrt. Feinfühlig vermag er es, den gern animalisch grunzenden oder auf seine Bilder spuckenden Egomanen in seiner Widersprüchlichkeit zu verkörpern. Mit diesem Titelhelden und allen anderen hervorragend besetzten Rollen taucht man wie gebannt ein in eine versunkene Welt.

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