Moonrise Kingdom

Drama, USA 2012
Die verschrobene liebevolle Welt des Wes Anderson

Die verschrobene liebevolle Welt des Wes Anderson

In seinem neuen Film erzählt US-Regisseur Wes Anderson die zu Herzen gehende Lovestory zweier Teenager im prüden Amerika der 1960er Jahre. Die hochkarätig besetzte Tragikomödie lief jetzt zur Eröffung der Filmfestspiele in Cannes und kommt nun schon ins Kino.

Die Filme von Wes Anderson gelten als leicht schrullig, detailverliebt und unverhohlen nostalgisch. Auf alle Fälle sind sie sehr speziell. Der 1968 geborene US-Regisseur und Drehbuchautor ("Die Royal Tenenbaums", "Darjeeling Limited", "Der fantastische Mr. Fox") hat ein Faible für kaputte Familien, verträumte Teenager, schrullige Außenseiter - Menschen eben, die etwas anders ticken als der Durchschnitt. Jetzt legt Anderson mit "Moonrise Kingdom" eine tragikomische, hochkarätig besetzte Lovestory zwischen zwei 12-jährigen Teenagern vor, die im Sommer 1965 auf einer Insel vor der Küste Neuenglands spielt.

Auch diesmal brilliert der Film mit staunenswerter Detailverliebtheit, sorgsam rekonstruiertem Zeitkolorit und vielen schrägen Pointen. Aber Anderson erzählt auch eine richtig gute, zeitlose, gar nicht so harmlose Geschichte, und zwar konsequent aus der Perspektive der Jugendlichen.

Die Anwaltstochter Suzy (Kara Hayward) und der Einzelgänger Sam (Jared Gilman), der bei Pflegeeltern lebt, nehmen nach einem Jahr Brieffreundschaft gemeinsam Reißaus und fliehen generalstabsmäßig vor ignoranten Eltern, nervigen kleinen Geschwistern und brutalen Mitschülern in eine einsame Bucht ans Ende der fast unbewohnten Insel. Den Weg dorthin findet Sam im Schlaf, schließlich ist er ein bestens ausgebildeter Pfadfinder. Und er hat Suzy sein großes Ehrenwort gegeben: Wir bleiben zusammen.

Bald startet eine große Suchaktion unter der Führung des begriffsstutzigen Captain Sharp (Bruce Willis) und des schneidigen Oberpfadfinders Scout Master Ward (Edward Norton), während ein fürchterlicher Sturm aufzieht. Da ist dann auch der alte Pfadfinder-Haudegen Commander Pierce (Harvey Keitel) mit seinem Latein am Ende, ebenso wie eine vom Festland eingeflogene Dame vom Jugendamt (Tilda Swinton).

"Moonrise Kingdom" ist ein wunderbar kurzweiliger Film, der vor allem Spaß macht, und der scheint sich bei den Dreharbeiten auch auf die allesamt großartig aufgelegten Schauspieler übertragen zu haben. Frances McDormand ("Fargo") und Bill Murray ("Lost in Translation") geben ein herrlich verschrobenes Anwaltspaar ab, das sich im Ehebett noch mit Paragrafen und Verfahrensfehlern beharkt. Bruce Willis als verklemmter Sheriff zeigt sich von seiner komischen, aber auch warmherzigen Seite, Edward Norton ist ein hellwacher Oberpfadfinder, der auch mal alle Fünfe gerade sein lässt und genüsslich beim Frühstück raucht.

Wes Andersons Schnitzeljagd ins Glück funktioniert wie ein Orchesterstück, bei dem immer mehr Instrumente hinzukommen. Der britische Komponist Benjamin Britten lieferte mit "The Young Person's Guide to the Orchestra" den Soundtrack für ein Abenteuer, das mit einem wahnwitzigen Crescendo auf sein Finale zusteuert - der gewaltige Sturm, der alle Verhältnisse endgültig durcheinanderwirbelt.

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