Moonlight

Drama, USA 2016

Auf Juan kann sich Chiron verlassen

Die Geschichte eines heranwachsenden homosexuellen Afroamerikaners gewann bei der diesjährigen Oscar-Verleihung den Hauptpreis als bester Film

"And the Oscar goes to La La Land!" - Ein Moment, der in die Oscar-Geschichte eingehen wird. Das gefeierte und seit Monaten hoch favorisierte Musical La La Land gewinnt die ersehnte Trophäe als bester Film - aber nur beinahe! Bei der Verkündung des Preises ist alles schiefgegangen: Die beiden Schauspiellegenden Faye Dunaway und Warren Beatty, die den Gewinner bekanntgeben sollten, hatten offensichtlich einen falschen Umschlag bekommen. Das La La-Team hält schon die Dankesreden, als die peinliche Verwechslung schließlich aufgelöst wird. "Da ist ein Fehler passiert. Kein Witz. Moonlight hat gewonnen. Moonlight, bester Film."

Darum geht's in ‚Moonlight‘:

Der junge Regisseur Barry Jenkins begleitet in seinem Drama nach dem Stück des schwarzen Autors Tarell Alvin McCraney in drei Kapiteln einen jungen Schwarzen in Miami - als Kind, als Teenager und als jungen Erwachsenen.

"Der Film beginnt, als Chiron (Alex R. Hibbert) acht Jahre alt ist. Ein stiller Bub mit großen Augen, kleiner als die anderen und allein. Vater hat er keinen. Die Mutter ist meistens high, manchmal mit einem Mann beschäftigt, hin und wieder lieb, besorgt, oft verärgert, meistens abwesend. In der Schule wird der schmächtige Chiron als Schwuchtel beschimpft. Kevin, sein einziger Freund, zeigt ihm, wie er sich wehren kann. Er läuft mit seinem großen Rucksack durch eine marode Sozialbausiedlung und kann sich glücklich schätzen, wenn er heil nach Hause kommt. Er braucht einen Vater. Diese Rolle übernimmt vorübergehend Juan (Mahershala Ali). Der ist Drogendealer, der auch Chirons Mutter beliefert. Ein harter Kerl, muskulös und bewaffnet. Aber auch ein fürsorglicher Mann mit einer Freundin -Teresa (Janelle Monáe). Juan bringt dem Buben das Schwimmen bei und lässt ihn sein, wie er ist...

Sehr präzise zeigt Barry Jenkins' Drama den Kreislauf von Angst, Gewalt und Rache in den Armenvierteln. Dazu Jenkins: "Die Geschichte der Afroamerikaner in den USA ist eine Geschichte der Unterwerfung. Wir wurden als Sklaven hierhergebracht, und als wir dann die Freiheit bekamen, war man geradezu gezwungen, sich groß zu machen, um zu zeigen, dass man sich nie wieder unterwerfen würde. Deswegen gibt es diese spezielle Maskulinität in den schwarzen Gemeinden. Es ist wichtig, das zu erhalten, das betrifft übrigens Männer und Frauen. Es ist eine Frage von Leben und Tod, wie man auftritt."

In diesem Umfeld wiegt es schwer, dass Chiron schwul ist. Aber das ist nur eines der vielen Themen in diesem tiefgründigen und bildgewaltigen Meisterwerk, dessen Produktion nur 1,5 Millionen Dollar gekostet haben soll.

Unsere Meinung zu ‚Moonlight‘:

‚Moonlight‘ ist ein Film über die ewige Suche nach Anerkennung und Geborgenheit. ‚Moonlight‘ war der richtige Film zur richtigen Zeit, nachdem in den letzten Jahren kein einziger afroamerikanischer Schauspieler nominiert war. Naomie Harris (Spectre) spielt Chirons cracksüchtige Mutter mit immenser Intensität, war zu Recht oscarnominiert. Mahershala Ali glänzt als der Dealer - und gewann das Goldkerlchen als bester Nebendarsteller.

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