Monsieur Pierre geht online

Komödie/Romanze, F/B/D 2017

Pierre Richard als alter Witwer entdeckt das Internet

Der französische Star-Komiker Pierre Richard meldet sich mit einer bitter-süßen Komödie über Liebe, Lüge und das Internet in die Gegenwart zurück.

Anfang 1973 hatte Europa quasi über Nacht einen neuen Filmstar, und wie schon so viele vor ihm kam er aus Frankreich: Begleitet von der Filmmusik Vladimir Cosmas (die pfiff in dieser Zeit jeder) stolperte ‚Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh‘ in die Kinos, und plötzlich kannte und liebte jeder den damals 39-jährigen Pierre Richard, der ihn verkörperte. Mehr als 20 Jahre lang spielte Richard, der sich eher als ernsthafter Schauspieler sah, die Rolle des sympathischen Tollpatschs in zig Varianten, ehe er sich mit Erreichen des Rentenalters lieber verstärkt dem Theater und seinem Weingut zuwandte. Jetzt ist Richard 83 Jahre alt, trotzdem hat ihn der Film nie losgelassen. ‚Monsieur Pierre geht online‘ ist das jüngste Produkt dieser Lebensliebe, und darum geht’s:

Ab ins Netz

Sylvie (Stéphane Bissot) ist eine Pariser Endvierzigerin und genervt von den Generationen über und unter ihr. Denn ihre erwachsene Tochter Juliette (Stéphanie Crayencour) ist wieder bei ihr eingezogen, weil ihr neuer Freund, der phlegmatische junge Autor Alex (Yaniss Lespert), kein Geld verdient und ebenfalls bei ihr haust. Und sie sorgt sich um ihren alten Vater Pierre (Pierre Richard), der seit dem Tod seiner Frau die Wohnung nicht mehr verlässt und immer mehr verkommt. Um ihn zu beleben, wird Alex genötigt, Pierre beizubringen, wie man mit Laptop und Internet umgeht. Allerdings darf der Alte nicht wissen, dass Alex der Freund seiner Enkelin ist – mit der ist der alte Sturschädel zerkracht und immer noch in Kontakt mit deren Ex. Pierre lernt widerwillig, aber rasch, und treibt sich bald auf Dating-Plattformen herum. Dabei lernt er Physiotherapeutin Flora (Fanny Valette) kennen, beide wollen sich real treffen. Allerdings hat Pierre sein Alter mit um die 30 statt 83 angegeben und seine Biografie erfunden. Also überredet er Alex, hinzugehen und sich für ihn auszugeben. Was natürlich zu ziemlichen Komplikationen führt.

Monsieur Pierre geht online ist keine Schenkelprack-Komödie und hält sich nur kurz bei den erwartbaren Witzen darüber auf, was geschieht, wenn ein Computerverweigerer im neunten Lebensjahrzehnt plötzlich mailen und scannen soll. Viel interessanter ist dann der Konflikt, wenn sich zwei Männer mit 50 Jahren Altersunterschied in dieselbe Frau verlieben und beide wissen, dass sie – aus unterschiedlichen Gründen – das nicht dürfen. Beruhigend auch zu sehen, dass Pierre Richard die Gebrechlichkeit nur spielt und sich sichtbar zusammenreißt, um sich nicht federnder zu bewegen. Dafür nervt Lesperts Art, den Alex anzulegen: So passiv, säuerlich und still, dass man ihn in an den Schultern rütteln möchte. Fazit: Für stillere Kinoabende sehr in Ordnung.

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