Mommy

Drama, CDN 2014
Ein ungewöhnliches Mutter-Sohn-Verhältnis

Ein ungewöhnliches Mutter-Sohn-Verhältnis

Wenn jemand schon zu Beginn seiner Karriere als Wunderkind gefeiert wird, kann das den Druck enorm erhöhen - und mitunter auch zur künstlerischen Lähmung führen. Nicht aber bei Xavier Dolan. Der 25-jährige Kanadier, der bereits für sein Debüt bejubelt wurde, drehte innerhalb von fünf Jahren fünf Filme und überraschte jedes Mal mit einem erzählerisch starken Werk - so auch mit seinem Drama "Mommy".

Bei dem verspielten, kraftvollen und herausfordernden Film steht - wie so oft bei Dolan - eine Mutter-Sohn-Beziehung im Mittelpunkt. In diesem Fall sind das die verwitwete und alleinerziehende Diane und der verhaltensauffällige, zu gewalttätigen Wutausbrüchen neigende Teenager Steve. Wer bei dieser Konstellation nun jedoch ein düsteres Drama vermutet, liegt falsch. Denn der Regisseur zeigt seine beiden Hauptfiguren als lebensbejahende Kämpfer, die sich bedingungslos lieben und durch nichts unterkriegen lassen.

Die Gesellschaft macht es diesen Außenseitern nicht leicht. Doch zusammen mit einer seelisch traumatisierten Nachbarin trotzen sie den Widerständen und Tiefschlägen und bilden ein unkonventionelles Trio. "Mommy" wird so zu einem Plädoyer für Individualität und Toleranz, für Freundschaft und Liebe.

So unberechenbar Steves Verhalten, so wild ist auch Dolans Inszenierung: Er mixt schnelle Dialoge mit stillen, emotionalen Momenten und unterlegt "Mommy" mit pumpender Musik, die die exzessive Energie seiner Protagonisten noch zu verstärken scheint. Immer wieder variiert Dolan, der auch das Drehbuch schrieb, sein Tempo und verzichtet bei allem Ernst nicht auf Humor.

Hinzu kommen kunstvolle Spielereien mit der Größe der Leinwand - das schmale Bild wird in einigen Szenen auf Leinwandbreite aufgerissen und schrumpft dann wieder auf ein kleineres Quadrat zusammen. Als Steve in einem Moment großen Glücks quasi in die Kamera greift und die Leinwand auseinanderzieht, gab es bei der Premiere auf dem Filmfest Cannes in diesem Jahr sogar spontanen Szenenapplaus. Auch wenn "Mommy" dann am Ende "nur" mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde, festigt Dolan mit dieser mutigen und intensiven Kinovision doch erneut seinen Ruf als einer der hoffnungsvollsten Jungregisseure.

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