Momma's Man

Drama, USA 2008
"Momma's Man" bei den Eltern im Bettchen

"Momma's Man" bei den Eltern im Bettchen

Ein Mann geht aus dem Haus, nicht um Zigaretten zu holen, sondern um seine Eltern zu besuchen, und kommt nicht gleich zu seiner Ehefrau zurück. Zu schön scheint ihm das vertraute Nest plötzlich. Ein Plot, den der junge New Yorker Regisseur Azazel Jacobs in "Momma's Man" auch gleich mit seinen eigenen Eltern besetzt hat: dem Avantgarde-Filmer Ken Jacobs und seiner Frau Flo.

Die Besetzung des Films lässt mehr als vermuten, dass Azazel Jacobs einen sehr persönlichen Film gedreht hat, nicht unbedingt einen autobiografischen, aber einen voller autobiografischer Züge. Jacobs hat auch das Drehbuch zu "Momma's Man" verfasst und die Hauptfigur Mikey mit schönen Details versehen. Bei der Viennale 2008 gab es dafür den Publikumspreis.

Mikey, etwas rundlich, gemütlich, Mitte dreißig, reist für ein paar Tage geschäftlich nach New York und übernachtet dort bei seinen Eltern. Am Tag des Rückflugs beschließt er jedoch kurzerhand, länger zu bleiben, und vertröstet seine Frau mit Ausreden, reagiert nicht auf Anrufe. Aus Tagen werden Wochen, und er scheint seine Familie in Los Angeles völlig zu vergessen. Dabei gleitet er immer mehr in seine Jugendjahre zurück, besucht alte Freunde und nimmt frühere Gewohnheiten wieder auf, die schon sehr weit zurückliegen. Er fühlt sich beispielsweise so wohl zu Hause, dass er auch schon mal zu seinen Eltern ins Bett krabbelt. Dort fühlt er sich verstanden. Unbehagen macht sich bei seinen Eltern breit und der Druck der eigenen Familie wächst. Doch Mikey hat große Schwierigkeiten aus seiner Regression rauszufinden.

Das Thema des Nesthockers und nicht Erwachsenwerden wollen ist besonders liebevoll umgesetzt. Man hat Mitleid mit dem armen Mikey, der diese schöne Künstlerwohnung der Eltern wieder verlassen muss, um Verantwortung zu übernehmen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und abseits des geschützten Kokons des Elternhauses der Welt entgegentreten muss. "Momma's Man" ist eine wundervoller Abgesang auf das Erwachsenwerden, das weder Mikey noch uns erspart bleibt.

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