Künstler-Biopic: Meine Zeit mit Cezanne

Drama, F 2016

Paul und Émile verbindet die Liebe zur Kunst

Das Doppelporträt zweier Ausnahmekünstler des 19. Jahrhunderts illustriert die bewegte Freundschaft zwischen dem Maler Paul Cèzanne (Gallienne) und dem Schriftsteller Émile Zola (Canet) bis hin zum völligen Bruch...Teuer ausgestattet, schön bebildert, brav.

Die 74-jährige französische Filmemacherin Daniele Thompson, die als Drehbuchautorin für so unterschiedliche Erfolgsfilme wie "Cousin, Cousine", "La Boum" oder Patrice Chereaus "Bartholomäusnacht" verantwortlich zeichnete, hatte eigentlich beste Voraussetzungen: eine Geschichte über zwei Super-Promis der Kulturgeschichte und eine Besetzung, die exquisiter nicht sein könnte. Comédie-Francaise-Mitglied Guillaume Gallienne, dessen berührender autobiografischer Film "Les garcons et Guillaume, a table!" ("Maman und Ich") noch in bester Erinnerung ist, spielt den unangepassten und zunehmend verwahrlosenden Maler Cezanne, sein Namensvetter, der Regisseur und Schauspieler Guillaume Canet, Lebensgefährte von Marion Cotillard, den bürgerlichen Dichter und Denker. Warum ist das zweistündige Resultat dennoch nur Mittelmaß?

Schon in den ersten Einstellungen, in denen die Kamera von Jean-Marie Dreujou schwelgerisch über Licht und Landschaft der Provence und pittoresk arrangierte Farbtuben und -tiegel gleitet, wird klar: Hier geht es um kräftige Farben und glänzende Oberflächen, nicht um zarte Schattierungen und Blicke in düstere Abgründe. Man erfährt von der tiefen Freundschaft dreier Schüler (für den Dritten im Bunde, den späteren Astronomen und Industriellen Jean-Baptistin Baille, interessiert sich Thompson nicht), von ihren Lebenszielen und gemeinsamen Schwärmereien. Der unbeschwerte Ton und der süßlich-klebrige Soundtrack ändern sich auch später nicht, als es gilt, die einstigen Ideale auf den Prüfstand des realen Lebens und Fortkommens zu stellen.

Es wird viel geredet, doch der bald eingeschlagene Grundtenor wird nie mehr verändert: Zola ist privat schüchtern, doch beruflich erfolgreich (seine politischen Ansichten, seine eigenen Kämpfe mit der Gesellschaft, werden weitgehend ausgeblendet), Cezanne ist ein Frauenheld und Outcast, der künstlerisch seiner Zeit voraus ist. Die beiden Guillaumes legen sich mit all ihrer darstellerischen Virtuosität schnell auf Figuren-Klischees fest und brechen diese nie mehr auf. Auch der große Streit, der um Zolas Buch "L'Oeuvre" entbrennt, in dem sich Cezanne wenig schmeichelhaft porträtiert sieht, kratzt da nur an den längst errichteten Fassaden.

"Meine Zeit mit Cezanne" (Original: "Cezanne et moi") ist gewiss schön anzusehen. An den üppigen Genre-Bildern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man sich aber bald sattgesehen. Differenzierte Porträts zweier großer Künstler zeigt der Film nicht. Das liegt nicht an den Modellen, sondern an den Arrangements und den Lichtverhältnissen. Grelles Licht ist schädlich. Fürs Auge und für die Kunst.

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