Meine liebe Republik

Dokumentation/ , A 2006

Bereits mit "Mein Mörder" griff Elisabeth Scharang 2005 die Geschichte des NS-Arztes Heinrich Gross an der Euthanasie-Klinik am Spiegelgrund auf: Die Doku "Meine liebe Republik" schildert nun die Geschichte des Gross-Opfers Friedrich Zawrel. Dieser wollte vom Staat Österreich nach 1945 nicht einmal etwas geschenkt - weil er den Tätern vieles erleichterte und den Opfern das Leben schwer machte.

Der Film war überfällig, seit Jahrzehnten - was kein Vorwurf an die Filmemacher, an den Co-Darsteller und Journalisten Florian Klenk und alle Beteiligten ist, sondern an die "liebe Republik". Was Scharang großartig gelingt: mit Zawrel zu zeigen, dass ein Terrorsystem den Menschen seiner Gelassenheit nicht beraubt.

Wundersam, dass der alte Herr offenbar frei von Hass auf seine Nazi-Peiniger ist: Ein Gutachten in einem Diebstahlsprozess nach dem Krieg, das Zawrel als gemeingefährlichen Gewohnheitsverbrecher markieren sollte, veranlasste ihn in der filmischen Rückschau nicht zu einer hasserfüllten Aussage, sondern zu einem entschlossenen "Heinrich, des woa dei letzte Gaunerei."

Für diese verschmitzte Konsequenz - Gross stand 1998 vor Gericht - bezeichnete ihn Klenk wohl auch als "Anti-Herr Karl Österreichs". So sei der allgemeine Tenor, Österreich sei 1955 frei geworden von den Alliierten nach dem Staatsvertrag, nicht zutreffend: "Genug haben's gehabt von uns, deshalb sind's heim gezogen." Dies sei ein Befund, so Klenk, der eines Qualtinger würdig sei.

(Von Peter Kolb/APA)

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