Meine Cousine Rachel

Drama/Romanze, GB/USA 2017

Psychologisch abgründige Lovestory mit Rachel Weisz

Ist die Witwe aus Italien einfach nur eine emanzipierte Frau, ihrer Zeit weit voraus – oder einehinterhältige Gift-Mörderin, die alle Männer verhext?

Ein englisches Landgut nahe der steilen Küste Cornwalls, irgendwann im 19. Jahrhundert. Der junge Master Philip Ashley (Sam Claflin) lebt hier zwar gehoben mit Zofe, Köchin, Kammerdiener und einigem landwirtschaftlichem Gesinde, aber auch mit viel harter, persönlicher Arbeit – die Downton Abbey-Pracht sieht definitiv anders und einige Klassen höher aus. Ashley ist Waise, nach dem frühen Tod seiner Eltern wurde er von Vetter Ambrose aufgezogen. Der war stets wie ein Vater zu ihm, loyal blickt Philip zu ihm auf. Doch im Herbst seines Lebens hat es Ambrose ins wärmere, freundliche Italien gezogen. Während sich der junge Master ums Anwesen kümmert, erreichen ihn seltsame Briefe aus Florenz. Ambrose hat sich dort in eine entfernte Cousine namens Rachel verliebt und diese geheiratet. Was nicht weiter schlimm wäre, würden nicht bald Schreiben folgen, in denen sich Ambrose über schwindende Kräfte, die Angst vor dem Tod und die Befürchtung, dass Rachel an seinem qualvollen Zustand schuld sei, auslässt. Sofort reist Philip nach Italien, aber es ist zu spät: Der geliebte Cousin ist tot und begraben, ärztliche Atteste bestätigen einen Gehirntumor.

Doch für Philip ist klar, dass Cousine Rachel ihren Gatten ermordet haben muss. Als Beweis für die problematische Ehe sieht er auch die Tatsache, dass die ihm nach wie vor unbekannte Frau, die nach dem Begräbnis verreist ist, im Testament nicht bedacht wurde. Alles Vermögen geht an Philip, wenn er 25 wird – also in wenigen Wochen. Bis dahin verwaltet der wohlhabende Nachbar Kendall (‚Game of Thrones‘-Star Ian Glen) das Vermögen, seine pfiffige Schwester Louise (Holliday Grainger) ist Philips beste Freundin und hoffentlich bald mehr. Da kündigt Cousine Rachel (Rachel Weisz) ihren Besuch am Gut ihres verstorbenen Mannes an. Philip schwelgt in Rachefantasien, wie er sie für den Tod seines Cousins bestrafen wird. Doch als er der reifen Frau erstmals persönlich gegenübersteht, verfällt er ihr auf der Stelle. Eine verhängnisvolle Entwicklung nimmt ihren Lauf …

Gut gemacht!

Historiendramen, das können sie, die Briten. In ‚Meine Cousine Rachel‘ stimmt alles: Ausstattung, Stimmung, Besetzung, das behutsame, aber nicht zu langsame Tempo, die Dialoge und die Spannung. Da ist alles benutzt und abgewetzt, aber gepflegt – genau so muss ein Film über das 19. Jahrhundert aussehen. Auch die intensive Spannung zwischen Philip und Rachel vom ersten Moment an ist von Regisseur Roger Michell sehr schön eingesetzt, auch wenn dieser totale Meinungsumschwung ein bissl gar plötzlich kommt. Rachel Weisz lässt als ungeschminkte, eigentlich wenig attraktive, aber geheimnisvolle Witwe die Funken sprühen. Lediglich in der Mitte hängt der Film eine Zeitlang etwas durch, um sich dann zum dramatischen Finale wieder deutlich zu erfangen. Schon vor 65 Jahren wurde der Stoff (erfunden von Spannungsspezialistin Daphne Du Maurier, die auch ‚Rebecca‘ oder ‚Die Vögel‘ schrieb) mit dem blutjungen Richard Burton als Philip und Olivia de Havilland als Rachel verfilmt – auch wenn Burton am Ende ein anderes Kaliber war, als es Sam Claflin (‚Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten‘, ‚Die Tribute von Panem‘, ‚Snow White and the Huntsman‘) heute ist, besticht die moderne Version eben durch ihren hochästhetischen Realismus.

Einziger Wermutstropfen solcher Liebes- und Verratsgeschichten aus dem 19. Jahrhundert: Es interessieren sich heute nicht mehr annähernd genug Menschen für die Epoche und deren Tragödien, wenigstens nicht im Kino. Denn die rund 30 Millionen Dollar teure Produktion spielte weder in den USA noch in den bisher gestarteten Märkten (trotz guter bis ausgezeichneter Kritiken) zufriedenstellend ein. Mit bisher insgesamt 8,8 Millionen Dollar Einspiel wird ‚Meine Cousine Rachel‘ wohl kein Gewinnbringer für Fox Searchlight Pictures werden. Aber vielleicht finden sich in Österreich genügend Kinogänger, die einen gelungenen cineastischen Ausflug ins 19. Jahrhundert zu schätzen wissen.

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