Mein Fleisch und Blut

Thriller, A 2016

Nicole interessiert sich auffallend für Kathis Adoptivsohn

Aus Österreich kommt das Grauen - spätestens seit dem Erfolg von "Ich seh Ich seh" gilt dies auch für das Kino, das mit dem Psychothriller ein neues Feld für sich entdeckt. "Mein Fleisch und Blut" ist zwar nicht so ästhetisch versiert und ausgefeilt wie das Werk von Veronika Franz und Severin Fiala. Das Langfilmdebüt von Michael Ramsauer ist aber solide Genrekost.

Für Kathi und Martin Trummer (Ursula Strauss und Andreas Kiendl) läuft es derzeit nicht gerade rosig, ist das Leben mit dem sechsjährigen Adoptivsohn Tobias (Nikolai Klinkosch), der deutliche autistische Züge zeigt, doch ohnedies anstrengend. Und nun ist Pressefotograf Martin nach einem Zusammenbruch auch noch krankgeschrieben. Dass ins lange leer stehende Nachbarhaus ein junges, offenes Paar einzieht, stellt da die glückliche Abwechslung im grauen Alltagsstress dar.

Die Eltern sind übermüdet und gestresst, während die Nachbarn vermeintlich entspannt eine Bindung zu Tobias aufbauen. Der Bub beginnt, langsam aufzutauen. Allerdings fällt das Kontrastprogramm zum langweiligen Einerlei bald radikaler aus als erhofft. Spätestens als die neue Nachbarin Nicole (Lili Epply) Martin verführt und ihr Freund Christian (Wolfgang Rauh) sich als erpresserischer Choleriker erweist, beginnt die Situation schrittweise zu eskalieren. Und schnell wird klar: Das vermeintlich harmlose Paar von nebenan verbirgt ein schreckliches Geheimnis.

Bei der Besetzung kann der gebürtige deutsche Nachwuchsfilmer Michael Ramsauer, der seinen Lebensmittelpunkt in Wien hat, auf die Creme de la Creme der heimischen Darsteller zurückgreifen, spielen doch mit Ursula Strauss und Andreas Kiendl zwei der cineastischen Allzweckwaffen gewohnt souverän ihren Part des Mittelstandsehepaares am Rande des Nervenzusammenbruchs. Mit Wolfgang Rauh und Lili Epply gesellen sich überdies zwei Nachwuchshoffnungen hinzu, die den etablierten Kollegen ordentlich einheizen.

Der Plot selbst, für den Ramsauer als Drehbuchautor ebenfalls verantwortlich zeichnet, entwickelt seine Geschichte zunächst gemächlich, vollzieht seine Wendungen dann aber alsbald etwas rabiat und unvermittelt. Ganz den Klischeeversatzstücken und genretypischen Allgemeinplätzen aus Krähenschreien, schummrigen Kellern und moderaten Schockeffekten entkommt "Mein Fleisch und Blut" dabei nicht. Unter dem Strich stellt der Psychothriller aber die solide Variation eines altbekannten Themas mit rot-weiß-rotem Lokalkolorit dar.

Kinotipps
Lina

Lina [KINOTIPP]

Lina Loos gehörte zu den ersten Frauen in Österreich, die ein selbstbestimmtes Leben wagten

Kinotipps
Ein leichtes Mädchen

Ein leichtes Mädchen [KINOTIPP]

Rebecca Zlotowskis macht mit Ein leichtes Mädchen die winterliche Jahreszeit zum Sommer

Kinotipps
Little Joe

Little Joe [KINOTIPP]

Jessica Hausners Parabel über das Fremde in uns selbst

Kinotipps
Rotschühchen und die sieben Zwerge

Rotschühchen und die sieben Zwerge [KINOTIPP]

Prinzen, die in Zwerge verwandelt wurden, begeben sich auf die Suchen nach den roten Schuhen einer Dame um so den Zauber zu ...

Kinotipps
Aretha Franklin: Amazing Grace

Aretha Franklin: Amazing Grace [KINOTIPP]

Ein legendärer, fantastischer, euphorisierender, zu Tränen rührender Film – lange verschollen und jetzt wiederentdeckt

Kinotipps
Winterland

Winterland [KINOTIPP]

Die Erfolge heutiger Ski- und Snowboardfahrer ruht auf den Schultern derer, die vor ihnen kamen