Mein Bruder ist ein Einzelkind

Komödie/Krimi, I/F 2007
Zwei Brüder mit unterschiedlichen Ansichten

Zwei Brüder mit unterschiedlichen Ansichten

Sie nennen ihn "das Ekel". Accio, der Jüngere und eigentlich Schüchternere von zwei Brüdern, ist stets auf Krawall aus: Unzufrieden als Schüler eines Priesterseminars, starrt er den Frauen nach und tritt aus Trotz der neofaschistischen Partei bei. Sein Bruder Manrico hingegen, ein attraktiver Latin Lover, meint "Jesus war ein Revolutionär" und agitiert bei den Kommunisten.

Die Entwicklungen und Konflikte der beiden Arbeitersöhne, die sich auch noch in dasselbe Mädchen verlieben, bündelt Regisseur Daniele Luchetti zu einem überwiegend humorvollen Porträt der jugendbewegten sechziger und siebziger Jahre in Italien. Dort sahen bereits weit mehr als eine Million Kinobesucher die von Schlagern der Zeit untermalte Tragikomödie "Mein Bruder ist ein Einzelkind".

Fünf "Donatellos" - die italienischen Oscars - und die Jury-Ernennung des "Ekel"-Darstellers Elio Germano (27) zum Shooting Star der diesjährigen Berlinale untermauern den Erfolg. Sympathisch unverbraucht und lebensnah wirkende Schauspieler bilden ohnehin den dicksten Pluspunkt der oft erfrischenden Arbeit des angesehenen 47-jährigen Regisseurs ("Il Piccolo Maestri", 1998): Voller Charme und Schwung agieren nicht nur Germano als titelgebendes, ruppiges "Einzelkind" und Riccardo Scamarcio als umschwärmter und schwärmerischer Erstgeborener. Auch Angela Finocchiaro und Massimo Popolizio als entnervte Eltern sowie Luca Zingaretti als väterlicher Freund und verschrobener, später Mussolini-Fan gehören zum Kaleidoskop skurriler Charaktere, denen man gern zusieht.

Viel Leichtigkeit und lakonischer Wortwitz unter blauem Mittelmeerhimmel machen den Film unterhaltsam und locker konsumierbar. Eine Prise "Don Camillo und Peppone" wird spürbar, wenn es um die Kämpfe zwischen Rechten und jungen Linken geht - bei all ihren Überzeugungen bleiben diese nämlich vorrangig nette Menschen. Doch gerade hier liegt das Problem: Luchetti, der auch am Drehbuch nach Antonio Pennacchis halb-autobiografischem Roman "Il Fasciocomunista" mitwirkte, nimmt die politischen Strömungen jener Zeit nicht ernst genug. Augenzwinkernd und aus der Distanz der Jahrzehnte reduziert er zum Beispiel die Anliegen der Kommunisten auf ungewollt komisches Revoluzzer-Palaver und Imponiergehabe.

Und dass es am Schluss überraschend dann noch ganz bitter wird, verhilft dem Film zu einem Bruch, der seltsam unstimmig wirkt. Doch Accio, das einstige Ekel, hat erst dadurch seine Lebenslektion ganz gelernt und wahre Handlungsfreiheit gewonnen: Ein wenig wehmütig lächelnd schaut er auf die azurfarbene See und freut sich auf seine Zukunft.

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