Me and You and Everyone We Know

Komödie/Drama, USA/GB 2005
Ein Film von schier grenzenloser Kreativität

Ein Film von schier grenzenloser Kreativität

Ein herausragend origineller, romantisch versponnener Debütfilm: Die US-amerikanische Multimediakünstlerin Miranda July hat als Regisseurin, Autorin und Hauptdarstellerin mit "Me and You and Everyone We Know" ohne Stars und großes Budget ein kleines filmisches Wunder verwirklicht.

Fantasie, Hoffnungen und Wünsche sind die wertvollsten Güter, die die Künstlerin Christine, gespielt von July, im Übermaß besitzt. Postkarten und Urlaubsschnappschüssen fremder Menschen versieht sie mit unverhohlen romantischen Dialogen, und auch in ihrem eigenen Leben schafft sie es im entscheidenden Moment, ihre geheimsten Gedanken auszusprechen und inneren Impulsen zu folgen. Etwa als sie den allein stehenden Schuhverkäufer Richard (John Hawkes) kennen lernt, der sich seit kurzem als allein erziehender Vater bewähren muss.

Mit Copy und Paste versteht es Richards siebenjähriger Sohn Robby, der kaum ein Wort selber tippen kann, zu chatten - auf Sex-Foren. Mit seiner nicht durch Scham verstellten Fantasie erregt er das Interesse einer Frau, die hinter den Zeichen am Bildschirm kein Kind vermutet. Sein älterer Bruder Peter wird von den Mädchen der Nachbarschaft als Versuchskaninchen für ihre ersten sexuellen Kontakte herangezogen. Denn diese haben einen erwachsenen Mann provoziert, der sich zwar nicht der Pädophilie strafbar machen will, aber den Schulmädchen täglich über handgeschriebene Plakate in seinem Fenster seine Wünsche und Fantasien mitteilt und wiederum die Fantasie der Mädchen gehörig in Bewegung setzt.

Die zehnjährige Sylvie dagegen sammelt eifrig zeitlose Küchenmaschinen für ihre Aussteuer. "Irgendwann wird das alles meinem Mann und meinen Kindern mitgehören", offenbart sie Peter ihren Traum. Es sind diese absolut Hollywood-untauglichen Ideen, vor denen Julys Film nur so überzulaufen scheint und ihn so speziell machen. Außerdem findet July ungewohnte, filmisch interessante Übergänge und Motive, die sich in die so verträumt wie unverstellte Geschichte einfügen.

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