Master of the Universe

Dokumentation, A/D 2013
Ein Finanzhai blickt zurück

Ein Finanzhai blickt zurück

Der Dokumentarfilm "Master of the Universe" gibt Einblick in die Welt der Banker und Börsenhändler. Ein ehemaliger Top-Broker erzählt. Der Zuschauer bleibt mit einem beklemmenden Gefühl zurück.

Er verschob Milliarden per Mausklick und fühlte sich wie der "Master of the Universe": Ex-Investmentbanker Rainer Voss. Der Top-Banker gibt in Marc Bauders Dokumentarfilm einen für Laien verständlichen Einblick in den Finanzdschungel. Beim Internationalen Filmfestival Locarno wurde das von eindrucksvollen Bildern unterlegte Interview aus dem Frankfurter Bankenviertel als bester Beitrag der Sektion "Semaine de la critique" ausgezeichnet.

Der ehemalige Top-Broker erklärt, wie Finanzhaie mit einem Monatsverdienst von 100.000 Euro beruflich und privat ticken, und wundert sich über die staatlichen Rettungsaktionen von Banken. Voss beschreibt, warum Privatanleger an der Börse letztlich immer verlieren, und welche Nachteile Gemeinden bei der Geldbeschaffung haben.

In klaren Sätzen erläutert der frühere Top-Banker, wie sich immer kompliziertere Finanzprodukte entwickelt haben, und dass die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie von vier Jahren auf zwei Sekunden gesunken ist. Die Funktion von Bad Banks erklärt er lässig am Beispiel vergammelter Äpfel.

Voss, der in den 1980er Jahren zum Top-Banker aufstieg und mit Anfang 50 von seinem Arbeitgeber in den Ruhestand geschickt wurde, beschreibt die Anfänge als "eine gigantische Sandkiste, in der wir mit Förmchen gespielt haben". Nach den Privatisierungswellen von US-Präsident Reagan und der britischen Premierministerin Thatcher habe die in Deutschland notwendige Zulassung der Auslandsbanken den Anfang gemacht.

Der Finanzmarktkenner schildert den Druck auf die Investmentbanker, jedes Jahr zehn Prozent mehr machen zu müssen. Diese ständige Rendite-Erwartung verschiebe das Geschäft irgendwann "in Richtung Illegalität". Und er spricht von dem "gigantischen Gewinnpotenzial, das darin steckt, dass Leute Interesse haben, dass der Euro zerbricht".

Trotz des lockeren Plaudertons bleibt der Zuschauer mit einem Gefühl der Beklemmung zurück. Denn der Fachmann sieht auf die Niederlande eine Krise der Staatshaushalte zukommen und ist überzeugt, dass nach Spanien und Italien Frankreich dran ist. "Dann ist es aus und vorbei."

Kinotipps
Vice - Der zweite Mann

Vice - Der zweite Mann

Im neuen Biopic von Adam McKay bekommen wir Christian Bale als Dick Cheney, Vizepräsident unter George W. Bush, zu sehen

Kinotipps
Der verlorene Sohn

Der verlorene Sohn

Russel Crowe steckt seinen schwulen Sohn Lucas Hedges in ein Umerziehungscamp, das ihn „heilen“ soll

Kinotipps
Mein Bester & Ich

Mein Bester & Ich

Im Hollywood-Remake des französischen Überraschungshits Ziemlich beste Freunde (2011, mit François Cluzet und Omar Sy) sind ...

Kinotipps
Yuli

Yuli

Unter der Fuchtel seines Vaters stieg der kubanische Tänzer Carlos Acosta zum Weltstar auf – ein genresprengendes Biopic ...

Kinotipps
Mabacher - #Ungebrochen

Mabacher - #ungebrochen

Porträt über den „kleinsten YouTuber der Welt“ aus Oberösterreich

Kinotipps
Die Frau des Nobelpreisträgers

Die Frau des Nobelpreisträgers

Als Schriftsteller Jonathan Pryce der Nobelpreis für Literatur verliehen werden soll, packt seine Frau Glenn Close allerlei ...