Martas Koffer

Dokumentation/Krimi, A/E 2013
Ein Playdoyer wider die Gewalt gegen Frauen

Ein Playdoyer wider die Gewalt gegen Frauen

Zwischen 2001 und 2011 wurden in Österreich 63.470 Betretungsverbote nach häuslicher Gewalt gegen Frauen ausgesprochen. Im vergangenen Jahr wurden 17 Tötungsdelikte verzeichnet. Dass die Zahlen in anderen Ländern nicht besser sind, geht aus Günter Schwaigers Dokumentarfilm "Martas Koffer" hervor.

Die Protagonistin Ascension Marta Anguita ist Spanierin und überlebte einen Mordversuch ihres Ex-Mannes. "Ich wurde überfahren, niedergestochen und mir wurde die Kehle durchgeschnitten, von einer Person, mit der ich 23 Jahre zusammen war", schildert die Frau gleich zu Beginn der Doku. Dass der Apotheker im Gefängnis gelandet ist, garantierte Marta keine Ruhe: "Die Leute glauben, hat man so eine Aggression überlebt, ist alles überstanden. Sie wissen nicht, dass das erst der Anfang ist." Selbst die Familie wandte sich damals von ihr ab, ihre Mutter machte ihr Vorwürfe: "Was hast du bloß für einen Skandal ausgelöst?"

Als ihr Ex-Mann Haftfreigang bekommt, wird der Mutter zweier Töchter geraten wegzugehen. Als er schließlich auf Bewährung freikommt, muss sie sich verstecken, wird ihr die Freiheit genommen. "Das ist kein Leben", bilanziert Marta. "Warum kann er zuhause sein und ich nicht? Warum kann er gemütlich auf der Straße spazieren und ich muss mich ständig umsehen?" Die Protagonistin ist in Spanien zu einer Symbolfigur geworden, wie aus der Doku hervorgeht, weil sie inzwischen offen über die häusliche Gewalt spricht. Ein Gewaltschutzgesetz gibt es in Spanien erst seit 2005, in Österreich immerhin seit 1997.

Bis in die 1970er-Jahre wurde Misshandlung in der Familie als Privatangelegenheit betrachtet, erklärt Schwaiger in einem Insert, mit denen er im Film Hintergrundinformationen und statistische Daten zur Thematik liefert. Gesetzestexte und daran anschließende Gesetzesänderungen dauern lange, Aufklärung und Hilfe bieten jedoch mehrere Institutionen an. Von Amnesty International bis zu Frauenhäusern, von Gewaltschutzstellen bis zu Männerberatungen. "Wenn du die Hand hebst, ist es Gewalt", formuliert etwa Harald Burgauner von der Männerberatung in Salzburg: "Punkt."

Schwaiger ("Hafners Paradies", "Arena", "Ibiza Occident") führt viele Interviews und unterlegt diese meist mit unaufgeregten Bildern der Umgebung, von Schloss Mirabell, der Salzach. Aber er zeigt auch Martas Einstichnarben am ganzen Körper, die Angst und die Tränen, den Ärger in den Gewaltschutzzentren und Frauenhäusern, wo aus Platzmangel Dutzende Betroffene abgewiesen werden müssen.

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