Manderlay

Drama/ , DK/S/NL/F/D/USA 2005
Grace will doch nur helfen

Grace will doch nur helfen

Lars von Trier ist einer der prägenden Filmregisseure der Gegenwart. Mit dem "Dogma"-Kino hat er eine der wichtigsten ästhetischen Strömungen der 90er-Jahre mitinitiiert. Doch "Dogville", der Auftakt-Film seiner mutigen Amerika-Trilogie, ging in Cannes ebenso leer aus wie der zweite Teil, "Manderlay".

"Dogville" erschlug mit seiner unglaublichen Wucht förmlich die Zuschauer: Eine Parabel über das dunkle Potenzial des Menschen, voller Archaik, gedreht im Brecht-Stil in einem reinen Theater-Set mit angedeuteter Studio-Dekoration und mit einer großartigen Nicole Kidman als Gangster-Tochter Grace. "Manderlay" ist nun quasi die Fortsetzung: Die junge US-Schauspielerin Bryce Dallas Howard tritt als Gangstertochter Grace beherzt und überzeugend in die Fußstapfen von Kidman, die nach "Dogville" wohl doch keine Lust hatte, sich nochmal in die Mangel von Triers zu begeben. Grace verbindet naiven Idealismus mit der brutalen Macht, die ihr die bewaffneten Männer ihres Vaters (Willem Dafoe) verleihen.

Per Zufall kommt sie in den 20er Jahren an der Baumwollplantage Manderlay in Alabama vorbei. Ein Mann wird ausgepeitscht, ein schwarzer Arbeiter. Grace entdeckt entsetzt, dass in Manderlay - 70 Jahre nach der gesetzlichen Abschaffung der Sklaverei - noch Sklaven gehalten werden. Als die Herrin der Plantage (Laureen Bacall) stirbt, stürzt sich Grace - abgesichert durch die Gangster ihres Vaters - in ein soziales Experiment: Sie will die Menschen umerziehen und ihnen Demokratie und "Freiheit" bringen.

Dass sie sich vom stolzesten Kerl der Gruppe (Isaach de Bankolé) freiwillig sexuell demütigen lässt, zerstört ihre ohnehin schwache Position vollends. Grace meint es gut und macht alles falsch. Sie scheitert an ihrer eigenen, anmaßenden Dummheit und der Angst der Schwarzen vor der schwierigen Selbstbestimmung.

In TV und Kino finden: Bryce Dallas Howard, Willem Dafoe, Danny Glover, Lars von Trier

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