Maman und ich

Komödie, F/B 2013
Guillaume ist anders als seine Altersgenossen

Guillaume ist anders als seine Altersgenossen

Den 42-jährigen Guillaume Gallienne kennt hierzulande niemand. Das könnte sich in den nächsten Wochen ändern. Denn sein Film "Maman und ich", der in Frankreich nicht nur zum Kassenschlager wurde, sondern auch fünf Cesars gewinnen konnte (darunter als Bester Film und für den besten Hauptdarsteller), hat Potenzial zum Überraschungserfolg. Nun kommt die autobiografische Geschichte in die Kinos.

"Les Garcons et Guillaume, a table", heißt der Film viel treffender im französischen Original und steckt damit eindeutig das Thema ab: Guillaume ist anders als seine zwei Brüder. Er interessiert sich für Mode und Kosmetik, plaudert am liebsten mit den Frauen in seiner Familie und versteht es verblüffend, diese nachzuahmen. Sport und Männergehabe sind ihm verhasst. Am liebsten zieht er Frauenkleider an oder verkleidet sich als Kaiserin Sisi. Beim Studienaufenthalt in Spanien tanzt er mit Begeisterung Flamenco. Bloß will bald keine Frau mehr mit ihm tanzen. Guillaume tanzt nämlich selbst wie eine. Für die Umgebung ist es sonnenklar: Guillaume ist schwul. Er selbst ist sich da nicht so sicher und sieht sich in eine Rolle gedrängt, von der er noch nicht weiß, ob er sie annehmen will.

Guillaume Gallienne ist ein etablierter Theaterschauspieler, Mitglied der hoch renommierten Comedie Francaise und Gewinner des französischen Theaterpreises Moliere. Der Film ist die Weiterentwicklung einer One-Man-Bühnenshow, in der er charmant seine Geschichte erzählt, und dabei hingebungsvoll auch die eigene Mutter spielt, streng, männlich wirkend, dominant. Dass diese sich als drittes Kind ein Mädchen gewünscht hätte, ist nicht ganz schuldlos an dem sich entwickelnden Dilemma, in dem Tragik und Komik nahe beieinander liegen.

Dass dieser Debütfilm trotz seiner Unentschlossenheit zwischen Theater- und Kino-Setting herrlich funktioniert, komisch und berührend zugleich ist, ist das eine Wunder, das "Maman und ich" gelingt. Dass er ganz anders endet als erwartet, das andere.

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