Macbeth

Drama/Kriegsfilm, GB/F/USA 2015

MacBeths Ehrgeiz wird alle ins Verderben stürzen

Es ist nicht gerade der erste ‚Macbeth‘ der Kinogeschichte. Und doch gelingt Justin Kurzel eine Version von atemberaubend zeitgemäßer Kraft. In den Hauptrollen fesseln die Stars Michael Fassbender und Marion Cotillard.

Seit mehr als 400 Jahren meuchelt Macbeth auf den Theaterbühnen dieser Welt. Und auch im Kino hat der machtgierige Herrscher, der seine Gegner stetig skrupelloser beiseiteschafft und so immer neuen Hass und Feindschaft provoziert, bereits seine breite Blutspur hinterlassen. Die Adaptionen des gleichnamigen Shakespeare-Versdramas von 1606 durch die Leinwandgenies Orson Welles (1947), Akira Kurasawa ("Das Schloss im Spinnwebwald", 1957) und Roman Polanski (1971) gehören dabei zu den unvergessen spektakulärsten. Braucht die Welt also wirklich eine neue Verfilmung des im urwüchsigen Schottland des elften Jahrhunderts angesiedelten "Macbeth"-Stoffs?

Genau der richtige Film zur richtigen Zeit, mag man ausrufen. Immerhin kann einen die extrem bildstarke, rau-emotionale Interpretation des Australiers Justin Kurzel mit den charismatischen Stars Michael Fassbender und Marion Cotillard (Oscar-gekrönt für "La vie en rose") als mörderischem Fürstenpaar packen. Kritiker würdigten das Werk bereits als textlich reduzierten, aber äußerst eindringlichen "Shakespeare für die 'Game of Thrones'-Generation".

In fahlen, fast farblosen Szenarien zeigt Regisseur Kurzel zunächst drastisch-direkt, was der britische Dramatiker in seinem Stück nur in Worten schildern lässt: Was der Krieg mit Männern macht. Die Schlacht, aus der Macbeth und sein getreuer Banquo (Paddy Considine) eingangs dank ihrer Kühnheit siegreich hervorgehen, ist wegen der nahe am Bodenmatsch angebrachten Kameras in ihrer Brutalität wie in Zeitlupe zu erleben: In einsamer, unwirtlich-karger Hochlandnatur, eingehüllt in Kälte und Nebel, gehen brüllende Soldaten, oft mit Kindergesichtern, kaum geschützt auf einander los und stechen einander ab. Hält sich Macbeth danach noch immer für einen Mann der Mäßigung, ist es doch für seine ehrgeizige Frau leicht, ihn mit Sex und süßen Worten in ein Monster zu verwandeln: Den gütigen König Duncan (David Thewlis) soll er umbringen, um nach der Weissagung dreier Hexen selbst König zu werden - und sie Königin. Doch eine Untat zieht schnell die andere nach sich - und auch die Macbeths wanken ihrem Ende entgegen.

Michael Fassbender liefert eine eindrucksvolle Performance. "Fassbender was born for this", begeisterte sich der "Daily Telegraph" zu recht: Zunächst im Zwiespalt zwischen Wollen, Dürfen, und sich Zutrauen, steigert er sich zunehmend in einen Macht- und Blutrausch, der vor niemandem Halt macht. Neben Fassbender und Cotillard ist auch der übrige Cast - etwa Paddy Considine als Banquo, Sean Harris als Macduff und Jack Reynor als Malcolm - ohne Fehl und Tadel. Wie der ganze Film.

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