Lulu und Jimi

Drama/Musikfilm, D/F 2009
Liebe liegt in der Luft

Liebe liegt in der Luft

Schweinfurt, 1959. Sie lernen sich auf dem Rummelplatz kennen, weit außerhalb der Stadt: Lulu (Jennifer Decker), die freiheitsliebende Tochter aus gutem Hause, und Jimi (Ray Fearon), der smarte Rumtreiber aus Amerika. Liebe auf den ersten Blick, im gleißenden Licht des Auto-Scooters.

Ihren spießiger Verehrer Ernst (herrlich pomadig: Bastian Pastewka) hat die rebellische Lulu längst in die Wüste geschickt. Statt Tanztee ist jetzt Rock'n'Roll angesagt. Und aus den Außenseitern von der Peripherie des guten Geschmacks werden schnell Outlaws. Regisseur Oskar Roehler ("Die Unberührbare", "Elementarteilchen") hat sich mit dieser knalligen, bewusst plakativen Romanze, wie er selbst zugibt, einen Herzenswunsch erfüllt. Er wollte ein "Märchen auf der Überholspur" drehen. "Lulu und Jimi" ist ein Film über die bedingungslose Liebe, zugleich aber auch düsteres Familiendrama, actiongeladene Gangsterstory und fetziges Musical aus dem Geist des von den Amerikanern importierten Rock'n'Roll.

Das funktioniert ganz gut, wenn man sich auf Roehlers unbekümmerten Patchwork-Stil einlässt. Die Besetzung jedenfalls ist großartig. Wir erleben Rolf Zacher als tattrigen Patriarchen Daddy Cool, der es früher einmal richtig hat krachen lassen. Heute vegetiert er dahin unter der Fuchtel seiner tyrannischen Ehefrau Gertrud, die von Katrin Sass ("Good Bye Lenin") mit Einsatz von viel Häme und Schminke grandios verkörpert wird. Bei diesen Eltern musste die arme Lulu einfach Reißaus nehmen.

Die Nebenrollen erweisen sich als illustres Horrorkabinett: Der unheimliche Udo Kier ist ein lüsterner Chauffeur, Hans-Michael Rehberg gibt einen dämonischen Kurpfuscher im Stile von Dr. Mabuse, und der dänische Schauspieler Ulrich Thomsen ("Das Fest") sorgt als sadistischer Stalingrad-Kämpfer Harry Hass für echte Beklemmung. Ein richtig fieser Typ, der Lulu in einer Szene bedrohlich nahe kommt

Oskar Roehler sieht seinen Film als Hommage an David Lynch, und in der Tat finden sich viele Parallelen zum Roadmovie "Wild at Heart" (1990) mit Nicolas Cage und Laura Dern. Etwas eigenständiger hätte man sich diese deutsche Lovestory aus dem miefigen deutschen Wirtschaftswunderland dann schon gewünscht. Aber Analyse oder subtile Charakterzeichnung sind Roehlers Sache nicht. Dafür ist er zu sehr in Schauwerte und Trash verliebt. Immerhin kann man sich gut amüsieren in diesem lustigen Rummelplatz-Film - es ist immer etwas los. Und am Ende stirbt der gehätschelte rosa Pudel von Mutter Gertrud an Alkoholvergiftung - es waren einfach zu viele Rumkugeln.

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