Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit

Drama, D 2015

Trenker wird von Tobias Moretti authentisch interpretiert

Auf der Spitze ist der Bergsteiger frei - aber irgendwann kommt der Abstieg: Diese Erfahrungen musste auch Bergfilmpionier Luis Trenker in seiner Karriere zu Zeiten des Faschismus und Nationalsozialismus machen, wie "Brenner"-Vater Wolfgang Murnberger in seiner neuen Regiearbeit "Luis Trenker - Der schmale Grat der Wahrheit" im Kino zeigt.

Das alpine Biopic, das ursprünglich als Fernsehproduktion gedacht war, bietet eine Paraderolle für Tobias Moretti, der Trenker in seiner jovialen und zugleich opportunistischen Art als bauernschlauen Egomanen zeigt, der im wesentlichen sich selbst im Blick hat. Er ist ein Filmemacher, der sich den Nazis zwar nicht direkt an den Hals wirft, aber ein Nutznießer ist. Ein Charakter zwischen großer Naivität und naiver Größe, der von Moretti beeindruckend authentisch interpretiert wird, ohne dabei in die Imitation zu verfallen.

Als Rahmenhandlung der chronologischen Lebensgeschichte dient das Treffen Trenkers mit seinem jüdischen Produzenten Paul Kohner am Rande der Filmfestspiele von Venedig 1948. Hier ist der frühere Kinoheld bereits vergessen, er möchte dem einstigen Freund jedoch das von ihm gefälschte Tagebuch der Eva Braun zur Verfilmung in Hollywood anbieten - während seine frühere Geliebte Leni Riefenstahl in München bereits gegen die Veröffentlichung klagt, da sie diese als Gespielin Hitlers diffamiere.

Auch die Riefenstahl von Noch-Buhlschaft Brigitte Hobmeier ist in Murnbergers Regie ein differenzierter Charakter, ebenso von Ehrgeiz getrieben wie Trenker. Diese genauen Charakterstudien abseits platter Klischees sind die große Stärke von "Der schmale Grat der Wahrheit". Einzig der in den vergangenen Jahren auf der Kinoleinwand eine wahre Renaissance erlebende Joseph Goebbels bleibt auch in der Interpretation von Arndt Schwering-Sohnrey Karikatur.

Den überwiegend vielschichtigen Blick auf seine Hauptfiguren unterstreicht der Film auch auf visueller Ebene. "Luis Trenker" ist durchgängig im satten Goldton der Zeit gehalten, ebenso ironisches Zitat wie Zeitkolorit. Die Dramen spielen sich vor vermeintlicher Idylle ab. Am Ende scheitert der vermeintlich harmlose Bergbursche mit seinem ewigen Durchlavieren, möchte man meinen. Letztlich mutiert der Filmemacher aber zum Geschichtenerzähler, dem guten Märchenonkel mit eigener Fernsehsendung, der im Bayerischen Rundfunk unter dem Titel "Luis Trenker erzählt" seine Sicht auf die Geschichte verbreiten konnte - und die fiel deutlich weniger nuanciert aus als Wolfgang Murnbergers Film.

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