Love

Drama/Romanze, F/B 2015

Eine Amour fou zwischen Murphy und Electra

Ja, es geht handfest zur Sache in Gaspar Noes neuem Film "Love": Bereits zum Auftakt zeigt der argentinische Regisseur eine mehrminütige Sexszene zur Einstimmung in sein Beziehungsdrama, das zwar mit dem Aufregerpotenzial der unzensierten Lust samt ejakulierendem Penis spielt, im Kern jedoch eine ernsthafte Reflexion über verflossene Liebe und die Suche nach Freiheit ist.

Der junge Amerikaner Murphy (gespielt vom großartigen US-Nachwuchsschauspieler Karl Glusman) ist in Paris unglücklich liiert mit einer Frau, die den im Deutschen etwas unglücklichen Namen Omi trägt (Klara Kristin), mit der er ungeplant ein Kind bekommen hat. Er erwacht am Neujahrstag und sinniert verkatert über seine Exfreundin Electra (Aomi Muyock), die mittlerweile verschwunden ist, während um ihn der Alltag der Kleinfamilie seinen Gang geht, der ihn anwidert.

Noe, der auch schon mit Werken wie "Irreversible" auf das Mittel der Provokation setzte, gestaltet die langen Rückblenden auf Murphys und Electras Amour fou mit aller Drastik und konzentriert sich dabei vornehmlich auf das Sexleben der beiden Möchtegernkünstler. Das reicht von der Ejakulation aus dem Inneren der Frau gefilmt bis zur Ejakulation in Richtung Kamera - Noe nützt die Möglichkeiten der 3D-Technik vollends aus, was das Premierenpublikum bei der Präsentation in Cannes 2015 in Aufregung versetzte.

Von derlei narrativen Spritztouren abgesehen wirken die langen Sexszenen von "Love" jedoch nie aufgesetzt, sondern sind in die Erzählung verwoben, die bei aller Ruhe im Fluss wenig mit Michael Hanekes gleichnamigem Werk zu tun hat. Mit Jump Cuts und expliziten Farbfiltern setzt der Wahlfranzose Noe auf einen eigenständigen Look seines Werks, das sich mit zweieinviertel Stunden auch Zeit für seine Charaktere nimmt.

So scheinen die Leiden des jungen Murphy in seiner jetzigen Lebenssituation ebenso glaubhaft wie die drogenbefeuerte Leidenschaft der Affäre mit Electra. Und schließlich packt Gaspar Noe sogar etwas selbstreferenziellen Humor in sein Sujet, wenn er Murphys Sohn Gaspar und Electras Ex Noe nennt.

Den einfachen Ausweg für seine Protagonisten hält der Regisseur, der bei "Love" nur mit einem losen Skript ohne wirkliches Drehbuch arbeitete, jedoch nicht parat. Dazu ist "Love" letztlich zu sehr als bewusste Momentaufnahme gestaltet, als Impression ohne konkreten Handlungsfortgang. "Das Leben ist nicht einfach", weint Murphy seinem kleinen Sohn vor. Recht hat er.

Kinotipps
Endzeit

Endzeit [KINOTIPP]

Carolina Hellsgård verfrachtet die Zombie-Apokalypse nach Weimar und Jena

Kinotipps
Die Eiskönigin 2

Die Eiskönigin 2 [KINOTIPP]

In der Frozen-Fortsetzung begeben sich Anna, Elsa, Kristoff und Olaf in die Tiefen des Waldes, um ein Geheimnis zu lüften

Kinotipps
Depeche Mode: SPIRITS in the Forest

Depeche Mode: SPIRITS in the Forest [KINOTIPP]

Abendfüllender Dokumentar- und Konzertfilm von Depeche Modes Global Spirit Tournee

Kinotipps
Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen

Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen [KINOTIPP]

Fortsetzung von Stanley Kubricks Horror-Meisterwerk Shining, mit Ewan McGregor in der Hauptrolle

Kinotipps
Invisible Sue - Plötzlich unsichtbar

Invisible Sue - Plötzlich unsichtbar [KINOTIPP]

Die aufregende Geschichte der 12-jährigen Sue, die in ein spannendes Abenteuer schlittert

Kinotipps
Gott existiert, ihr Name ist Petrunya

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya [KINOTIPP]

Satirischer Blick auf Religion und verkrustete Rollenbilder