Live By Night: Aufstieg eines Gauners zum Gangster

Krimi/Drama, USA 2016

Ganove Joe Coughlin fädelt das ganz große Geschäft ein

Multitalent Ben Affleck versucht sich an einem epischen Gangsterstoff - und erstickt dabei streckenweise in passiver Schönheit

Darum geht's in ‚Live By Night'

In den 1920er-Jahren ist Boston voll mit Figuren wie Joe Coughlin (Ben Affl eck): jung, vom Krieg hart gemacht und auf der Suche nach Chancen. Obwohl sein Vater (Brendan Gleeson) ein hochrangiger Polizist ist, sucht Joe diese Chancen im Verbrechen. Erst mit kleinen, riskanten Überfällen auf Pokerrunden, dann auf Banken mit seinen Kumpels. Weil er mit Emma (Sienna Miller), der Mätresse eines irischen Mafia-Bosses, was am Laufen hat, landet er erst verprügelt in der Gosse, dann im Gefängnis. Nach seiner Entlassung wird die italienische Konkurrenz auf ihn aufmerksam und schickt ihn nach Tampa in Florida, wo er die illegale Rumproduktion leiten soll. Und tatsächlich steigt Joe zum größten Gangster der Region auf...

Die Romanvorlage stammt von Bestsellerautor Dennis Lehane, der schon Stoff für einige ganz große Hollywood-Thriller geliefert hat: ‚Mystic River‘, ‚Gone Baby Gone‘ und ‚Shutter Island‘, und eigentlich ist ‚Live by Night‘ der Mittelteil einer Trilogie. Beste Voraussetzungen also für einen großen Gangsterfilm, der sich teilweise auch entfaltet: Bilder, Ausstattung und Kostüme (alleine Affleck trägt Dutzende unterschiedliche Maßanzüge) sind wunderschön, die Autoverfolgungsjagden, Prügeleien und Tommy-Gun-Schießereien State of the Art - man muss vor Produzent, Drehbuchautor, Hauptdarsteller und Regisseur Ben Affleck den Hut ziehen, bei dem, was er aus vergleichsweise übersichtlichen 60 Millionen Dollar Produktionsbudget gezaubert hat. Auch weil er seine Mitspieler (Sienna Miller, Zoe Saldana, Chris Cooper, Brendan Gleeson, Chris Messina) gut und intensiv wirken lässt.

Unsere Meinung zu ‚Live By Night'

Und doch war die Multibelastung („An den meisten Tagen liebe ich die künstlerischen Möglichkeiten, die so eine Mehrfachkonstellation bietet. Aber es gibt auch Tage, da verfluche ich die viele Arbeit und frage mich, warum zur Hölle ich mir das antue", so Affleck beim Talk mit TV-MEDIA) in einem Punkt offenbar zu viel: Seine eigene Figur legte er schon als Drehbuchautor zu schlaff, zu passiv an. Sie wird fast 129 Filmminuten lang von Umständen, Schicksal und anderen Personen getrieben. Kein Hamlet des Verbrechens, sondern einfach nicht durchdacht – was bei einem Gangsterboss eher irritierend ist. Das ist vielleicht mit ein Grund, warum der Film in den USA, wo er bisher nur 10 Millionen Dollar einspielte, brutal floppte. Fazit: Sehr schön gemacht, aber die Hauptfigur schwächelt spürbar. Viel Schauwert, wenig Kanten.

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