Live aus Peepli

Komödie, IND 2010
Eine indische Bauernfamilie lämpft ums Überleben

Eine indische Bauernfamilie lämpft ums Überleben

100.000 staatliche Rupien für einen Selbstmord: Tot ist der indische Bauer Natha für seine Familie deutlich mehr wert, als lebendig - vor allem in Wahlkampfzeiten. Mit der Satire "Live aus Peepli" hat die Journalistin Anusha Rizvi ihr Spielfilmdebüt vor- und zwischen Sundance und Berlinale einen erfolgreichen Festival-Staffellauf hingelegt.

Wer bei dem Produzentennamen Aamir Khan an schmalziges Bollywood-Melodrama denkt, wird in dem ärmlichen und mit dokumentarfilmerischer Lakonie eingefangenen Dorf Peepli keine Freude haben. Die Darsteller sind Einheimische, der Protagonist ein dümmlicher Tollpatsch und der reale Hintergrund alles andere als lustig: 200.000 Bauernselbstmorde gab es in den vergangen zehn Jahren in Indien. In Peepli - einem Dorf irgendwo in Indien, aber im Zentrum eines umkämpften Wahlkreises - sind die Brüder Budhia und Natha betroffen. Die Bank will ihr Land zwangsversteigern, der Dorfchef, der die regionale Wahlkampfmaschine steuern soll, will ihnen nicht helfen. Einer seiner Schergen lässt aber fallen: Bring dich doch um, dann bekommt deine Familie 100.000 Rupien.

Der verträumte Natha (Omkar Das Manipuri) ist von seinem Bruder rasch überredet - denk nur an all die Ehre und Dankbarkeit. Und an den Ruhm: Denn als ein Lokalreporter von Nathas Vorhaben Wind bekommt, wittert er seine Chance auf eine große Story und alarmiert einen nationalen Fernsehsender. Bald schon ist das verschlafene Peepli live auf Sendung und randvoll mit Journalisten, Kamerateams und diversen Politikern, die Natha halbseidene Angebote und Geschenke machen, um ihn - je nach Parteizugehörigkeit - vom Sterben abzuhalten oder seinen politischen Protestakt zu unterstützen. Das einzige Problem: Natha interessiert sich nicht für Politik und sterben will er eigentlich auch nicht so recht.

Die Journalistin Rizvi hat ihrer Profession in "Peepli Live" ein zwielichtiges Denkmal gesetzt: Die Konkurrenz zwischen Englisch und Hindi, die Nähe zur Politik und die Indifferenz gegenüber den wahren Tragödien im Hintergrund der wirksamen Schlagzeilen, lassen die Medienlandschaft kaum fruchtbarer aussehen als die Politik mit ihren schikanös verteilten Sozialgeldern. Gleichzeitig reflektiert Rizvi den Blick ihrer Landsleute auf das eigene Elend, indem sie eine trostlose Geschichte als bunte, schulterzuckende Farce erzählt. Ein indischer Bauernschwank mit derben Sprüchen, intensiven Bildern und viel Musik.

Die schwarzhumorige Mediensatire über das Geschäft mit dem Selbstmord unter indischen Bauern, die es dann doch nicht in die Auslands-Oscar-Auswahl schaffte, startet am kommenden Freitag (4. Februar) in den heimischen Kinos.

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