Lincoln

Drama, USA 2012
Daniel Day-Lewis verkörpert den Präsidenten

Daniel Day-Lewis verkörpert den Präsidenten

Es gibt etliche Filme über Abraham Lincoln (1809-1865), den 16. und wohl bedeutendsten Präsidenten der USA. Nun stellt Regisseur Steven Spielberg ihn in den Mittelpunkt seines Kinofilms "Lincoln". Dabei schildert der Regisseur die Monate vor 150 Jahren, die mitten im Bürgerkrieg zur Befreiung der Sklaven in den USA führten. Daniel Day-Lewis liefert in der Titelrolle eine grandiose Vorstellung ab.

Das für zwölf Oscars nominierte Drama beschränkt sich klug auf die vier Monate im Leben Lincolns, als der Bürgerkrieg seinem Ende entgegenging und der Präsident die gesetzlichen Grundlagen für die Abschaffung der Sklaverei schaffen musste. Es ging ganz profan darum, eine Mehrheit für dieses Ziel zu organisieren. Lincoln macht - ganz ähnlich wie heute Barack Obama - pragmatische Realpolitik, bindet frühere Konkurrenten in sein Kabinett ein, und übt sich nach dem Ausspruch von Max Weber im "Bohren harter Bretter".

Daniel Day-Lewis hat sich diese Figur bis in die letzten Bartspitzen angeeignet, so als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Für diese Ausnahmeleistung wurde er bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet, der Oscar als "Bester Hauptdarsteller" dürfte ihm Ende Februar ziemlich sicher sein. In "Lincoln" gibt er neben dem Politiker einen fürsorglichen Vater, der seinen ältesten Sohn Robert (Joseph Gordon-Levitt) vor dem Krieg bewahren will, sich rührend um seinen jüngsten Spross Tad kümmert und im Dauerclinch mit seiner streitsüchtigen Ehefrau Mary (Sally Field) liegt.

Das grandiose Ensemble wird komplettiert von einer Riege großartiger Mitstreiter und Widersacher, angeführt vom bärbeißigen Sklaverei-Hasser Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones), dem gewieften Parteistrategen William Seward (David Strathairn) und dem alten Haudegen Preston Blair (Hal Holbrook).

Das pointierte Drehbuch des Pulitzerpreisträgers Tony Kushner ("Angels in America") zeigt Lincoln als liebenswürdigen, etwas kauzigen Hinterwäldler, ein Provinzanwalt aus Springfield, Illinois, der für sein Leben gern Geschichten erzählt, dies meisterhaft beherrscht, und seinen politischen Scharfsinn und Ehrgeiz mit einer hart antrainierten Schrulligkeit tarnt. "Lincoln" ist aber trotz des Fokus' auf die Politik keineswegs eine staubtrockene Geschichtsstunde geworden, sondern brilliert als opulent in Szene gesetztes Kostümdrama, in erlesenen Braun- und Grau-Tönen eingefangen von Spielbergs langjährigem Kameramann Janusz Kaminski.

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