Liebe: Paradies

Drama, A/D/F 2012
Erste Annäherung mit den Einheimischen

Erste Annäherung mit den Einheimischen

Egal ob man die Filme von Ulrich Seidl mag oder nicht, kalt lassen sie einen nie. Das wird wohl auch bei "Paradies: Liebe" so sein, dem ersten Teil der "Paradies"-Trilogie. Im Mai feierte der Film Uraufführung im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes, und zählte in der Jury zu den am kontroversesten diskutierten Filmen. Nüchternen Blicks folgt Seidl einer österreichischen Sextouristin in Kenia.

In der Hauptrolle agiert Margarethe Tiesel, die als Teresa auf der Suche nach ein bisschen Glück bald als "Sugar Mama" von jungen kenianischen Männern begleitet wird. Während die erste Kontaktaufnahme noch an der fehlenden Zuneigung scheitert, hat Teresa mit Munga (Peter Kazungu) scheinbar mehr Glück: Munga ist nicht so aufdringlich wie die anderen "Beach Boys", spricht nicht gleich von Geld, führt sie durch sein Heimatdorf und lädt sie spielerisch und mit notdürftigen Deutschkenntnissen schließlich auch zum Austausch von Intimitäten ein. Von Liebe ist die Rede, denn "die Liebe endet nur in Europa, nicht in Afrika".

Aber dann kommt dennoch bald Geld in Spiel, wird für erkrankte Verwandte gesammelt, verwandelt sich die sexuelle Zuneigung in finanzielle Berechnung. Teresa und ihre Freundinnen nehmen sich dabei die ganze Zeit über nicht unbedingt als Sextouristinnen wahr: Wie oft hat man sich zu Hause für Männer verbogen, sich aus Attraktivitätsgründen geschunden? Das spiele in dem afrikanischen Land keine Rolle, erklärt Teresas Freundin (Inge Maux) in Kolonialfrauenmanier. Hier könne frau sein, wie sie wolle. Und so werden die daheim Ausgebeuteten selbst zu Ausbeutenden, bis sie in diesem ewigen Kreislauf selbst wieder zu Opfern ihrer eigenen Ausbeutung werden. Mit Liebe hat das alles wenig zu tun, und auch das Paradies stellt man sich wohl anders vor.

Wie bei "Hundstage" und "Import Export" arbeitete Seidl auch bei "Paradies: Liebe" wieder sowohl mit professionellen Schauspielern (u.a. Margarethe Tiesel) als auch mit Laien, mit viel natürlichem Licht und dokumentarischen Stilmitteln, mit zwar genauem Drehbuch, wie er erklärte, aber ohne vorgegebene Dialoge. Die Darstellung der Schauspielerinnen und Schauspieler erfolgt völlig ungeschönt, in natürlichem Licht mit Übergewicht und hängenden Körperteilen. Margarethe Tiesel ist fast den gesamten Film über zu sehen, vielfach halb nackt und stets unheimlich präsent.

In TV und Kino finden: Margarete Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux, Ulrich Seidl

Kinotipps
Zwei wie Pech und Schwefel

„Zwei wie Pech und Schwefel“ [KINOTIPP]

Weil eine Schlägertruppe ihren neuen Strandbuggy demoliert hat, lassen Bud Spencer und Terence Hill die Fäuste sprechen

Kinotipps
Red Rocket

„Red Rocket“ [KINOTIPP]

Ex-Pornostar Simon Rex lässt Los Angeles hinter sich und geht zurück nach Texas

Kinotipps
Loving Highsmith

„Loving Highsmith“ [KINOTIPP]

Porträt der Krimiautorin Patricia Highsmith, die mit „Zwei Fremde im Zug" und „Der talentierte Mr. Ripley“ Weltliteratur schrieb

Kinotipps
The Lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt

„The Lost City – Das Geheimnis der verlorenen Stadt“ [KINOTIPP]

Sandra Bullock, Channing Tatum, Brad Pitt und Daniel Radcliffe auf Abenteuerreise im Dschungel

Kinotipps
Alles ist gutgegangen

„Alles ist gutgegangen“ [KINOTIPP]

Nach dem Schlaganfall ihres Vaters müssen sich Sophie Marceau und Géraldine Pailhas mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzen

Kinotipps
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush

„Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ [KINOTIPP]

Deutsch-türkische Mutter kämpft um die Freilassung ihres Sohnes aus dem Gefangenenlager Guantánamo!