Liberace

Drama/Romanze, USA 2013
Michael Douglas als schillernder Paradiesvogel

Michael Douglas als schillernder Paradiesvogel

Es glitzert überall in Steven Soderberghs vorerst letztem Geniestreich, dem Musikerporträt "Liberace", das im Wesentlichen das Liebesdrama des schillernden Showmans und des ebenso attraktiven Waisenjungen Scott Thorson verhandelt. Der Film basiert auf den Erinnerungen von Thorson, der ab Ende der 1970er Jahre mehr als fünf Jahre lang an der Seite des 35 Jahre älteren Paradiesvogels verbrachte.

Wie Michael Douglas den glamourösen und dekadenten Pianisten und Entertainer Walter Liberace (1919-1987), meist Lee genannt, mimt, das beweist große Klasse und brachte ihm bei der Emmy-Verleihung völlig verdient die Auszeichnung für den besten Schauspieler ein. Von sich selbst maßlos überzeugt ("Mein Talent kommt von Gott") und gleichzeitig sicher abgeschottet von der Umwelt, gibt er seinem früheren Bewunderer und Lebensgefährten rasch den Laufpass, als er Scott für sich entdeckt und in seinen pompösen Palast einführt. Es dauert nicht lang, ist Scott nicht nur Liberaces Chauffeur, sondern auch dessen Liebhaber.

Auch Matt Damon spielt Scott überzeugend und macht im Film mehrere Verwandlungen durch. Nach der ersten Verliebtheit sitzt er bald, wie das in einer Ehe vorkommt, mit Übergewicht in Jogginghosen vor dem Fernseher, nimmt wieder ab, lässt sich auf Tabletten sowie Schönheits-OPs ein, schlittert in Eifersucht und Drogensucht, bis er schließlich wie sein Vorgänger von einem jüngeren Lover abgelöst wird. Der Streit ums Geld beginnt, die Versöhnung folgt schließlich erst am Sterbebett.

Liberace hat seine Homosexualität stets geheim gehalten und seine Gespielen geschickt verführt, manipuliert und für seine Zwecke missbraucht. Dieser Missbrauch schwingt im Hintergrund von Soderberghs überdrehtem, aber nie als Farce angelegtem Biopic immer mit. Der Regisseur ("Traffic", "Magic Mike") blickt aber dennoch mit viel Sympathie auf seine beiden tragisch-faszinierenden Protagonisten, die sich die meiste Zeit über zu zweit im Palast aufhalten.

Dass Soderbergh, der sich selbst nach dem Film eine kreative Auszeit verordnet hat, kein Hollywoodstudio für seinen überbordenden und zugleich so melancholischen Film gefunden hat, könnte Michael Douglas nach überstandener Krebserkrankung, trotz einer überragenden Performance, um seinen dritten Oscar bringen. Denn "Behind the Candelabra", wie "Liberace" im Original heißt, lief zwar in Cannes im Wettbewerb, aber in den USA bisher nicht im Kino, sondern nur im Fernsehen.

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