Les Misérables

Drama/Musical, GB 2012
Valjean nimmt Cosette zu sich

Valjean nimmt Cosette zu sich

Lange hat sich niemand daran gewagt, das Hit-Musical "Les Misérables", basierend auf dem Roman von Victor Hugo, als gesungene Filmversion auf die Leinwand zu bringen. Nach seinem Oscar-Gewinn für "The King's Speech" stellte sich der britische Regisseur Tom Hooper der Herausforderung, das Drama um Liebe, Rache, Verrat und Vergebung im nachrevolutionären Frankreich des 19. Jahrhunderts zu verfilmen.

Der Erfolgsdruck für das Filmmusical "Les Misérables" ist enorm: Seine Vorlage - das Theatermusical der Franzosen Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil - wurde seit der Londoner Premiere 1985 von über 60 Millionen Menschen in 43 Ländern gesehen.

Für seine Verfilmung konnte Hooper mit Anne Hathaway, Hugh Jackman und Russell Crowe zwar hochkarätige Stars gewinnen, doch das allein ist noch lange keine Garantie. Der britische Regisseur ging ein Risiko ein: die Schauspieler mussten alle Lieder live singen. Nur Lippen bewegen mit Playback, wie es bei Filmmusicals üblich ist, war tabu.

Die Leidensgeschichte von der Hauptperson des Romans bzw. des Musicals Jean Valjean ist bekannt: Weil er ein Stück Brot gestohlen hat, wird er zu 19 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der Ex-Sträfling wandelt sich nach seiner Entlassung zum geläuterten Mann. Nach Fantines Tod zieht er deren kleine Tochter Cosette auf. Von Javert verfolgt ist er ständig auf der Flucht. Als sich die junge Cosette (Amanda Seyfried) in Paris in den hitzig-revolutionären Studenten Marius (Eddie Redmayne) verliebt, gerät Valjean wieder ins Visier seines Erzfeindes.

Mit Hathaway in der Rolle der bitterarmen und schwerkranken jungen Mutter Fantine landete Hooper einen Volltreffer. Abgemagert und mit kurz geschorenen Haaren singt sich die 30-Jährige die Kehle aus dem Hals. Das Schicksal der entlassenen Fabrikarbeiterin, die sich für den Lebensunterhalt ihres Kindes prostituieren muss, habe ihr buchstäblich das Herz zerrissen, sagte sie. Komische Momente sind in dem fast drei Stunden langen Drama knapp bemessen. Für die wenigen Lacher in "Les Misérables" sind Helena Bonham-Carter und Sacha Baron Cohen als durchtriebene Wirtsleute zuständig.

Mit acht Oscar-Nominierungen - darunter für Hathaway, Jackman und in der Topsparte "Bester Film" - kann "Les Misérables" bereits auftrumpfen. Tatsächlich sollte es Russell Crowe unbedingt bei Sprechrollen belassen. Als Sänger scheitert der australische Oscar-Preisträger ("Gladiator") in der Rolle des brutalen Justizvollzugsbeamten Javert kläglich.

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