Lenz

Drama/ , D/CH 2006
Die Liebe geht oft seltsame Wege

Die Liebe geht oft seltsame Wege

"Ich bin 36 Jahre alt und muss jetzt endlich anfangen, von mir selber zu erzählen." Filmemacher Lenz begibt sich auf die Spur von Georg Büchners berühmter Novelle über den Sturm und Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) und wird dabei auf sich selbst zurückgeworfen. Mit vielfachen Spiegelungen hat der Schweizer Regisseur Thomas Imbach den Büchner-Stoff in die Gegenwart geholt.

"Lenz" erzählt eine moderne Patchwork-Familiengeschichte und findet dabei zu einer überzeugend aktuellen filmischen Umsetzung existenzieller Ausgeliefertheit. Wie Büchners an Gott und der Welt verzweifelter Dichter irrt auch der Filmemacher Lenz durchs Gebirg' - doch von den Vogesen treibt es ihn in die Schweizer Alpen, nach Zermatt, wo sein getrennt von ihm lebender neunjähriger Sohn Noah (Noah Gsell) Schiurlaub macht. Seine Ex-Freundin Natalie (Barbara Maurer) ist anfangs von Lenz' unverhofftem Auftauchen, doch bald erwachen alte Gefühle, die einen gemeinsamen Neubeginn möglich scheinen lassen. Aber die Idylle ist nicht von Dauer.

Während Büchners Lenz bei Pfarrer Oberlin Halt sucht, ist es in Umkehrung der Vater-Sohn-Konstellation hier Noah, bei dem Lenz zumindest kurz zur Ruhe kommt. Milan Peschel von der Volksbühne Berlin, der schon in Robert Thalheims Film "Netto" (2005) als überforderter Vater ans Herz ging, erinnert in seiner intensiven Performance immer wieder an ein großes Kind, das seine Grenzen spüren will. In manischer Unruhe stürzt er nachts mit bloßem Oberkörper in den Schnee hinaus und kühlt sich den Kopf im Brunnentrog oder übernachtet auf dem Dach, um sich mit den Vögeln zu unterhalten. Als Natalie und Noah nach Zürich zurückkehren, quatscht er fremde Touristen an, mischt sich mit einer albernen Perücke unter die Schifahrer oder unter die Band in der Hüttendisko.

Lenz sucht nach dem "Authentischen" - in der Kunst wie im Leben. Mit verspielter Leichtigkeit, übermütigen und exaltierten Szenen erzählt der Streifen einerseits von der Sehnsucht nach dem ganz einfachen, alltäglichen Glück, dem Wesentlichen im Leben - und umso eindringlicher und berührender zugleich vom dünnen Boden und der Gefährdung, ins Bodenlose abzustürzen.

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