L'enfant endormi

Drama/ , B/MA 2004
Hoffnung und Verzweiflung in Marokko

Hoffnung und Verzweiflung in Marokko

Einen Ausflug in eine fremde Kultur ermöglicht der Film "L'enfant endormi" ("Das schlafende Kind"). Die in Belgien lebende marokkanische Filmemacherin Yasmine Kassari hat in dem 2004 gedrehten Streifen, der bereits auf mehreren Festivals ausgezeichnet wurde, einen alten marokkanischen Mythos mit modernem Emigranten-Schicksal verbunden.

Die Bilder, die Kassari im Maghreb, in der Region ihrer Kindheit, in betont ruhigen, sorgsam komponierten Einstellungen eingefangen hat, sind farbenprächtig. Bunte Gewänder, imposante Landschaften. Doch das Leben, von dem erzählt wird, ist alles andere als heiter und sinnesfroh. Es beginnt mit einer jungen Frau unter einem Hochzeitsschleier. Das Befolgen der Rituale, das Wissen um das, was kommt, legt sich drückend auf das, was eigentlich zum Feiern Anlass gibt. Kurz darauf brechen nämlich die Männer auf, Richtung Spanien, Richtung Hoffnung. Zurück bleiben die Frauen. Eine davon, Zeinab (Mounia Osfour), ist schwanger. Das Warten legt sich drückend über das Leben, auch über das ungeborene. Ein alter Glaube besagt, dass es einer Frau gelingen kann, ihr werdendes Kind zum Einschlafen zu bringen und so seine Geburt hinauszuzögern.

In ihrer Doku "Quand les hommes pleurent" (Wenn die Männer weinen, 1999) hatte die 1968 geborene Regisseurin und Drehbuchautorin, die 1991 nach Brüssel ging, aber in der Arbeit ihrem Heimatland nie den Rücken kehrte, die Hoffnungen der emigrierten Männer in das Zentrum eines Filmes gestellt. Nun widmet sie sich den Frauen, die nicht nur darauf hoffen, dass die Männer ihr Glück machen, sondern auch darauf, dass sie sich auch rechtzeitig an die zurück gelassenen Familien erinnern.

"L'enfant endormi" ist an der Oberfläche viel mehr ein poetischer denn ein politischer Streifen, und doch führt er mitten ins Herz der aktuellen Migrations-Problematik - an die Leerstelle, die dort bleibt, wo jemand weggeht. Dabei wird nicht argumentiert und nicht polemisiert, aber auch nichts verklärt. Ein bedrückendes Stück Weltkino, das von einer verschwindenden Minderheit an Kinobesuchern überhaupt wahrgenommen werden wird, dessen schiere Existenz abseits der erdrückenden Hollywood-Macht über Geschichten und ihre Verbreitung jedoch bereits ein Stück Widerstandsarbeit ist.

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