Le Havre

Komödie/Drama, FIN/F/D 2011
Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit

Ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit

Mit "Le Havre" hat der finnische Filmemacher Aki Kaurismäki wieder einmal bewiesen, dass er ein Magier ist. Aus dem heiklen und todernsten Thema der illegalen Einwanderung hat er ein lakonisch-poetisches Märchen gemacht.

Wer kann pessimistische, beängstigende und störende Themen so aufarbeiten, dass sie leicht und lakonisch wirken? Aki Kaurismäki, der Meister des bissigen Humors und des ungebrochenen Optimismus. Der finnische Filmemacher hat diesmal das Kunststück vollbracht, das traurige und explosive Thema der illegalen Einwanderung in ein märchenhaftes Plädoyer für mehr Menschlichkeit zu verwandeln.

Der Film hätte auch "Calais" oder "Lampedusa" heißen können, denn er erzählt die Geschichte eines afrikanischen Migranten, der aus einem Schiffscontainer flieht und von der Polizei gesucht wird.

Marcel Marx, ein erfolgloser Schriftsteller, verdient sich in Le Havre seinen Lebensunterhalt als Schuhputzer. Er kann sich und seine liebevolle Ehefrau Arletty nur mit viel Mühe ernähren. Dennoch ist er mit seinem Leben zufrieden. Er liebt seine Frau und führt ein ruhiges und geregeltes Dasein zwischen seinem kleinen Haus und seiner Stammkneipe.

Doch dann läuft ihm Idrissa über den Weg, ein Junge aus dem zentralafrikanischen Staat Gabun. Er ist illegal nach Frankreich eingereist und wird von den Behörden gesucht. Marcel hilft Idrissa mit Unterstützung der Nachbarn, zu seiner Mutter nach London zu fliehen. Eine Verfolgungsjagd beginnt.

Alte Telefone, eine Juke-Box, aus der Mode gekommene Autos, altmodische Dialoge und "Little Bob", der Elvis Presley von Le Havre: Kaurismäki lässt die Handlung in den 60er und 70er Jahren spielen und arbeitet mit Kontrasten und Anachronismen. Die Dialoge seiner Protagonisten sind kurz und knapp, der 54-Jährige war noch nie ein Verfechter langer Sätze. Ein Film in bester Kaurismäki-Manier, der in Cannes viel Applaus geerntet hat.

Der Film verzaubert und wirkt wie ein Märchen - manche Kritiker sahen darin eine gewisse Gefahr. Statt Lösungen für das brisante Thema anzubieten, habe Kaurismäki eine "filmische Flucht aus dem realen Leben" gedreht, in der "gute Absichten ausreichen."

Er sei zu sensibel für traurige Filme, entgegnete der Regisseur und erläuterte, "Le Havre" sei kein realistischer Film, sondern einer mit Happy End.

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