Last Days

Musikfilm/Drama, USA 2005
Kurt heißt jetzt Blake

Kurt heißt jetzt Blake

Filme, die mit dem Selbstmord der Hauptfigur enden, haben zwangsläufig etwas Voraussehbares. Gus Van Sant hat diesen Holzweg mit "Last Days" aber erfolgreich vermieden, indem er dem Film genug Stolpersteine in den Weg legte. Mit sanften Zeitsprüngen schuf er ein Bildermosaik, das um die letzten Tage der Grunge-Legende Kurt Cobain kreist wie ein dunkler Todesvogel.

Wirres, blondiertes Haar hängt ihm in sein schönes Gesicht. Torkelnd stolpert Blake, wie Van Sant seinen Cobain nennt, durch die Wildnis der Wälder, badet im Wasserfall und buddelt nach Schätzen aus der Vergangenheit. Der Schauspieler Michael Pitt, bekannt aus der amerikanischen Teenie-Serie "Dawson's Creek", ist ein hübscher Selbstmordkandidat. Doch was Van Sant mit ihm und seiner Geschichte der letzten Tage macht, lässt die fernsehtaugliche Schönheit schnell in den Hintergrund rücken.

Denn Van Sant lässt die Zeit hüpfen, wo sich die Figuren nur vollgedröhnt wie Zombies durch die Bilder schleppen. Die Zeiten überlagern sich, durchbrechen den vorhersehbaren Ablauf der Dinge fast zärtlich, wie leichte Variationen ohne große Überraschungen, nur eben aus anderen Sichtweisen während alles zur unausweichlichen Katastrophe drängt.

In Blakes ehemals prächtigem, massiven Anwesen mitten im Wald haust er mit ein paar Bekannten, die aber nie zu ihm vorzudringen vermögen. Er zieht sich Frauenkleider an, läuft mit einem Gewehr durchs Haus, reagiert wie ferngesteuert auf ungebetene Gäste und kritzelt letzte Worte. Es ist ein langer, schwerer Weg vom Tod bis zur Geburt, singt der sonst nur fast unverständlich vor sich hin Brabbelnde bei einer einzigen Jam-Session.

Noch konsequenter als in Van Sants Vorgänger-Werk "Elephant" werden jegliche Deutungen verweigert. Denn wie seine falschen Freunde im Haus kann auch der Zuschauer in Blakes vollkommene Abgeschlossenheit nicht eindringen. Der Nirwana-Sänger Cobain wurde spätestens durch seinen Selbstmord im April 1994, als er sich in seinem Haus in der Nähe von Seattle mit einer Schrotflinte erschoss, zum Mythos. Van Sant verzichtet nicht nur auf Cobains Namen und seine Musik, sondern auch auf diesen Mythos. Der Selbstmord ist ein ganz stiller, unspektakulärer Schluss, begangen aus der Stimmung dieser letzten Tage heraus, jenseits der Vernunft.

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