Tanzen, singen und sich verlieben im ‚La La Land‘

Komödie/Drama, USA 2016

LaLaLand

Damien Chazelle bringt Emma Stone und Ryan Gosling im Oscar-Favoriten zum Tanzen und Singen, dafür gab es schon mal sieben Golden Globes. ‚La La Land‘ gilt seitdem als heißer Oscar-Favorit

Schon in den Anfängen des Tonfilms begann man sich in Hollywood für Musik zu interessieren, die bis dahin dem Broadway an der Ostküste vorbehalten war. Die pragmatisch denkenden Produzenten aus Los Angeles eigneten sich die Geschichten der in den New Yorker Musiktheatern so erfolgreichen Bühnenshows an. Und so entstanden bald perfekt choreografierte Musicalklassiker wie Die 42. Straße. Die goldene Ära der Filmmusicals ist indes längst passé, heißt es immer wieder. Mit Filmen, in denen die Protagonisten wie aus heiterem Himmel zu singen und zu tanzen beginnen wie etwa Gene Kelly in Singin' in the Rain, lockt man heutzutage keine Besuchermassen mehr in die Kinos.

Musicals sind aber keineswegs tot – große Genres sterben nicht, sie schlafen nur ein wenig ein. So gab es in den vergangenen 15 Jahren immer wieder Filmmusicals, die einen Nerv trafen – und Blockbusterstatus erreichten wie zum Beispiel ‚Moulin Rouge‘ (2001), Chicago (2002) und ‚Mamma Mia!‘ (2008). Tatsache ist: Filmmusicals, das sind immer überbordende Gefühle – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Außerdem sind sie meist groß, laut und bunt schillernd. Entweder man liebt sie – oder man hasst sie. ‚La La Land‘, der dritte Film von Regie-Wunderkind Damien Chazelle (Whiplash), erweist sich als waschechtes Musical in der Tradition zeitloser Genreklassiker mit Fred Astaire und Ginger Rogers (‚Tanz mit mir‘), und könnte sogar Letztere bekehren. Bei sieben Golden Globes kann man schon einen Blick wagen ...

Darum geht es in ‚La La Land':

Regisseur Damien Chazelle macht gleich eingangs klar, womit wir es zu tun haben: Unter der brennenden Sonne von Los Angeles entfliehen Menschen im Stau kurzzeitig ihren Autos, beginnen zu singen und zu tanzen - und das in einer langen, fulminanten Einstellung, die mit dem ersten Blickkontakt von Mia und Sebastian endet: Er hupt sie an, sie zeigt ihm den Mittelfinger. Es ist kein guter Start, und es braucht noch mehrere Zufallsbegegnungen, bis es zwischen den beiden funkt.

Bevor es soweit ist, lernen wir die beiden getrennt voneinander kennen. Mia träumt vom Durchbruch als Schauspielerin, hetzt von einem erniedrigenden Vorsprechen zum nächsten und hält sich als Barista in einem Coffeeshop am Studiogelände von Warner Bros. über Wasser. Der Jazzkomponist und Pianist Sebastian träumt vom eigenen Jazzclub, spielt nach einem gescheiterten Deal um eine geschichtsträchtige Bar aber wieder die immer selben Weihnachtslieder im Restaurant - und wird vom sadistischen Manager (großartiger Gastauftritt von "Whiplash"-Fiesling J.K. Simmons) gefeuert, als er wieder einmal eine Eigenkomposition anstimmt.

Man trifft sich also zum richtigen Zeitpunkt: Die lebensfrohe Mia dürfte nicht mehr allzu viele Zurückweisungen ertragen und der kompromisslose Sebastian ist kurz davor zu verbittern. Singen und steppen sie in einer hinreißenden Szene vor dem violett leuchtenden Panorama des abendlichen L.A. vorerst gegen das Schicksal an, verlieben sich die Sturköpfe eben doch ineinander und bestärken einander in ihren Ambitionen. Doch in einer Stadt, die schon große Stars hervorgebracht und noch mehr Existenzen zerstört hat, werden ihre Beziehung und Durchsetzungskraft auf eine harte Probe gestellt...

Es ist an sich schon ein kleines Wunder, dass es "La La Land" gibt - mit seinen opulenten Tanz- und Gesangsnummern in Cinemascope, wie man sie seit der Blütezeit der Hollywoodmusicals in den 40er- und 50er-Jahren nicht gesehen hat, und diesen illustren Farben, die wie einst bei Jacques Demys Musical-Melodram "Die Regenschirme von Cherbourg" (1964) förmlich von der Leinwand springen. Chazelle zitiert lustvoll Klassiker, von Gene Kellys Schwung um die Laterne in "Singin' in the Rain" bis hin zur surreal-kitschigen Tagtraumsequenz a la "Ein Amerikaner in Paris", und weiß doch erfrischend Neues beizutragen. Subtil ist der Bruch nach dem ersten Kuss der Liebenden, wenn es mit den elaborierten Choreografien erst einmal vorbei ist und die bittersüße Realität hereinbricht, in der u.a. R&B-Star John Legend eine größere Rolle spielt.

Es ist die große Stärke dieses Films, dass er authentisch von einem jungen Paar und seinen Problemen im modernen Los Angeles, von Limitationen in der Liebe und Frustrationen in künstlerischer Erfüllung erzählt, und sich doch stets seine Magie bewahrt. Als Zuseher ist man nicht verwundert, wenn die Zwei erst durch die Gänge des Planetariums tanzen und dann wie selbstverständlich in den Sternenhimmel schweben, und verlässt den Kinosaal dann auch in einer Art Schwebezustand.

Ryan Gosling und Emma Stone treffen hier - nach "Crazy, Stupid, Love" und "Gangster Squad" - ein drittes Mal aufeinander, und können auf ihre von Neckereien und Herzlichkeit getragene Chemie bauen. Sie verleihen dem Film Humor und Gefühl und stehen großen Leinwandpaaren wie Fred Astaire und Ginger Rogers in nichts nach - auch, wenn in "La La Land" weniger auf Perfektion, denn auf Natürlichkeit gesetzt wird: Beide Schauspieler haben die Songs von Komponist Justin Hurwitz und Textern Benj Pasek und Justin Paul live am Set gesungen; Gosling hat im Vorfeld Klavierspielen gelernt. Vom mitreißenden Soundtrack bleibt die beschwingte Eröffnungsnummer "Another Day of Sun" ebenso in Erinnerung wie die in verschiedenen Variationen wiederkehrende Ballade "City Of Stars" oder die sehnsüchtige Ode "Audition (The Fools Who Dream)".

Unsere Meinung zu ‚La La Land':

Auch wenn sie nicht die besten Sänger und Tänzer sind, machen Stone und Gosling ‚La La Land‘ - für viele der Oscar-Favorit Nr. 1, vor allem auch nach den sieben Golden Globes - zum mitreißenden Augen-und Ohrenschmaus!

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