La Grande Bellezza

Komödie/Drama, I/F 2013
Ein alternder Journalist in Rom

Ein alternder Journalist in Rom

Mit seinem aktuellen Regie-Streich "La Grande Bellezza" zeichnet Paolo Sorrentino ein gleichermaßen liebevolles wie bitterböses Bild der High Society Roms. Toni Servillo brilliert als in die Jahre gekommener Journalist und Partylöwe.

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und Jep Gambardella, erfolgreicher, im Jet Set Roms beheimateter Journalist lässt sich treiben durch eine seltsam leere Metropole. Es ist die Stadt, die er so liebt, deren Oberflächlichkeit und Dekadenz ihn jedoch auch anwidern. "La Grande Bellezza" ist auch für den Italiener Paolo Sorrentino eine Art Heimkehr. Zuletzt inszenierte der Regisseur "Cheyenne - This must be the Place", außerhalb seiner Heimat und erstmals in englischer Sprache. In seinem sechsten Langfilm widmet sich Sorrentino nun voll und ganz der italienischen Hauptstadt und deren High Society. Erneut hat Sorrentino die Hauptrolle mit Toni Servillo besetzt, mit dem er schon einige Filme gedreht hat. Für seine Darstellung des Giulio Andreotti in Sorrentinos viel gerühmter Politsatire "Il Divo" etwa war Servillo 2008 mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet worden.

"La Grande Bellezza" beginnt mit einer großen, wilden Party zu Ehren Gambardellas, der 65 wird und sich wie kaum ein anderer aufs exzessive Feiern, aufs Genießen versteht. Immer mehr aber spürt Jep, dass auch seine Zeit begrenzt ist. Und immer häufiger sieht er sich mit der einen, der Schlüssel-Frage seines Lebens konfrontiert: "Warum hast du nicht noch ein Buch geschrieben?" Der einzige Roman, den er zustande gebracht hat, liegt 40 Jahre zurück. Als Jep auch noch vom Tod einer frühen Liebe erfährt, lässt er sich bereitwillig von einem melancholischen Strudel ergreifen.

"La Grande Bellezza" hat lauter skurrile Figuren: Da ist der Freund Jeps, der über Schlüssel zu sämtlichen historischen Gebäuden Roms verfügt und diese auch mal nachts aufschließt. Da ist der fast ausschließlich mit Kochrezepten beschäftigte Kardinal. Da sind die so dekadenten wie degenerierten, von Schönheits-Operationen entstellten Neureichen Roms, denen Langeweile und Überdruss ins Gesicht geschrieben stehen. Sorrentino aber führt sein Personal nie vor; alle Charaktere sind liebevoll entworfen. Nicht zuletzt der von seinem so rauschhaften wie hedonistischen Leben zunehmend angeödete Protagonist. Toni Servillo gibt diesen Jep sehr überzeugend mal als lässig-charmanten Playboy, mal als traurigen, desillusionierten Clown.

Sorrentinos Film, der ein Abgesang ist auf die italienische Hauptstadt und sie zugleich mit jeder Einstellung feiert, weist Parallelen auf zu Federico Fellinis legendärem Meisterwerk "Das süße Leben" von 1960.

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