Kurz davor ist es passiert

Dokumentation/ , A 2006
Fünf Laien erzählen fünf Geschichten

Fünf Laien erzählen fünf Geschichten

Anja Salomonowitz gilt als eines der größten Talente des österreichischen Films. In ihrem Abschlussfilm an der Wiener Filmakademie behandelt die 29-Jährige das Thema Frauenhandel. Salomonowitz hat eine ungewöhnliche Erzählweise gewählt. Fünf Laien erzählen exemplarisch fünf Geschichten in der Ich-Form, die sie nie erlebt haben, die aber auf realen Berichten von Betroffenen beruhen.

Vom österreichischen Ehemann, der nach der Heirat seine Frau nach Österreich "importiert" und sie dort wie sein Eigentum behandelt, bis hin zur Tänzerin, die mit falschen Versprechungen nach Österreich gelockt wurde, um schlussendlich als Stripteasetänzerin zu arbeiten, finden sich viele Facetten der Ausbeutung in dem Film. Anja Salomonowitz hat an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation gearbeitet. Der Zöllner, der Bordell-Kellner, die Diplomatin und der Taxi-Chauffeur haben auch in Wirklichkeit diese Berufe, "aber nicht an diesen Geschichten schuld", wie die Filmemacherin betont.

"Der Film ist in der Zusammenarbeit mit LEFÖ (Anm.: Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen) entstanden. Ich habe durch die Organisation bei den Recherchen auch mit einigen Betroffenen gesprochen, deren Geschichten aber vermischt wurden, damit sie nicht zu erkennen sind", erzählt die junge Regisseurin über ihr semi-dokumentarisches Drehbuch. Die Betroffenen sind nicht zu sehen, doch macht der Film dadurch nicht weniger nachdenklich.

Anja Salomonowitz zeigte sich bereits in "Das wirst du nie verstehen" (2003) als interessante Dokumentarfilmerin. Darin setzte sie sich mit den Erinnerungen dreier Frauen auseinander, die das Dritte Reich aus unterschiedlicher Perspektive - als Jüdin, als sozialistische Widerstandskämpferin und als Mitläuferin - erlebt haben. Für "Kurz davor ist es passiert" wurde sie bereits bei der Viennale, der Berlinale und der Diagonale ausgezeichnet.


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