Kong: Skull Island

Action/Abenteuer, USA/VN 2017

Kong ist wütend - sehr sogar!

Willkommen zu zwei Stunden Monsterjagd im Kino: riesige Echsen, Spinnen, Kraken - und ein Affe, der sie alle in Schach hält. Irre Action, die feuchte Hände bereitet.

Darum geht's in ‚Kong: Skull Island‘

Im Jänner 1973 verkündet US-Präsident Richard Nixon schmallippig im Fernsehen, dass sich die US-Streitkräfte aus dem Vietnamkonflikt zurückziehen werden. Höchste Eisenbahn für den undurchsichtigen Forscher Randa (John Goodman), gemeinsam mit seinem Assistenten Brooks (Corey Hawkins) beim genervten Senator Willis (Richard Jenkins) grünes Licht für eine verrückte Mission zu erbetteln: Satelliten haben eine bislang unbekannte Insel im Pazifik gefunden, geschützt von einem ringförmigen, stürmischen Mikroklima. Dort könnten sich ungeahnte Rohstoffe oder bedeutende Artefakte finden - was auch immer, Hauptsache, man ist vor den Sowjets dort, die jetzt, nach dem Abzug der US-Streitkräfte aus Ostasien, rasch dort herumschnüffeln werden, sobald auch sie die Insel entdeckt haben.

Beschützt von einem durch den Waffenstillstand eben arbeitslos gewordenen Geschwader Kampfhubschrauber und kommandiert vom markigen Col. Packard (Samuel L. Jackson), bricht Randa zu einer Expedition dorthin auf. Mit von der Partie sind außerdem die Fotografin Mason (Brie Larson), die Forschungsassistentin San (Tian Jing) und vor allem der Abenteurer und Söldner Conrad (Tom Hiddleston), der die Gruppe im Dschungel führen soll.

Doch kaum haben es die Helis heil durch den Sturm geschafft und begonnen, die Insel - aus angeblichen geologischen Reaktionsgründen - mit Spezialbomben zu beharken, steht ihnen plötzlich ein gigantischer Affe gegenüber, der alle Hubschrauber wütend vom Himmel holt. Die völlig verschreckten Überlebenden sind in zwei Gruppen aufgesplittet, die sich erst notdürftig mit den Resten des Equipments ausrüsten, dann gegenseitig finden und schließlich gemeinsam innerhalb von drei Tagen einen vereinbarten Evakuierungspunkt im Norden der Insel finden müssen. Doch auf dem Weg dorthin stellt sich rasch heraus, dass der Riesenaffe, dem Col. Packard tödliche Rache für den Angriff auf seine Truppe geschworen hat, das geringste Problem der versprengten Expedition ist. Unglaubliche Monster leben auf dieser Insel, eines tödlicher als das andere. Und Kong, so nennen ihn die Eingeborenen, ist der Einzige, der die gefährlichen Biester in Schach halten kann. Doch die Fremden bekommen auch unerwartete Hilfe in Gestalt eines US-Piloten (John C. Reilly), der 1944 hierher verschlagen wurde

Unsere Meinung zu ‚Kong: Skull Island‘

Halten wir uns nicht lange mit der King Kong-Kulturgeschichte auf, die sich von 1933 mit Fay Wray auf der Spitze des Empire State Buildings bis zu Peter Jacksons Version anno 2005 erstreckt, sondern stürzen uns gleich auf die Frage: Lohnt sich die Investition von zwölf Euro fürs Kinoticket plus zwei Lebensstunden für den neuesten Aufguss der alten Geschichte vom Riesenaffen? Antwort: absolut, mit kleinen Abstrichen.

Regisseur Jordan Vogt-Roberts, bisher hauptsächlich im TV umtriebig, hat zuallererst eines geschafft :einen großartigen Rückblick auf die frühen Siebziger durch Colorgrading, Musik, Ausstattungsdetails, Super-8-Ausschnitte, TV-Splitter usw. Der Abzug der US-Flieger aus Saigon; die ausgebrannten GIs, die nicht wissen, ob sie verloren haben oder ob der Krieg einfach abgebrochen wurde und die zwischen Freude an der Heimkehr und noch größerer Lust an einem neuen Auftrag schwanken, sind allein eine wunderbar gelungene, schwer authentisch wirkende Grundlage. Getoppt wird diese Inszenierung allerdings durch die Insel und ihre Kreaturen. Hier haben die Magier von ILM die Benchmarks neu gesetzt, ohne die Biester zum Selbstzweck zu degradieren. Im Zentrum stehen immer die Menschen und ihre wachsenden Konflikte miteinander. Abgerundet wird alles durch Actionspitzen, die atemlos machen; gut gesetzte Pointen entschärfen die oft recht drastischen Todesfälle mit ausreichend Humor.

Das alles ist auch nötig, denn perfekt ist Kong: Skull Island leider nicht ganz. Die erste Sequenz (wie der US-Pilot im Zweiten Weltkrieg auf die Insel abstürzt) ist so ungenau, flapsig und cheesy gemacht, dass man den Film schon nach einigen Minuten innerlich fast aufgeben möchte. Erst in letzter Sekunde erfängt sich dieses Intro und leitet in den weitaus gelungeneren Rest über. Auch hat man als aufmerksamer Beobachter immer wieder das Gefühl, dass die Macher den Film mit einigen Details leicht überladen haben, um coole Momente zu erzeugen, die aber auf Dauer null Sinn ergeben (wer zum Beispiel spielt Rockmusik in Höchstlautstärke auf einem tragbaren Plattenspieler, wenn er unbemerkt durch den Dschungel muss - aber wenn's an Apocalypse Now erinnert ). Auch wird klar, dass China mitproduziert hat. Die Rolle der San erfüllt in diesem Film nämlich keine einzige Aufgabe, ist aber dauernd im Bild. Wahrscheinlich gibt es eine Schnittfassung für Fernost, in der sie mehr Handlung stemmt, in der dafür aber der schwarze Assistent Brooke in den Hintergrund tritt.

Hinweis: Echte Fans warten bis nach dem (langen) Abspann; da gibt es Hinweise darauf, dass sich das Kong-Universum bald mit dem eines noch größeren Monsters vereinigen wird...

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