Killer’s Bodyguard

Action/Komödie, USA 2017

Die beiden haben mehr gemeinsam, als ihnen lieb ist

Willkommen bei der lautesten Ballerei des Sommers! Dank Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson darf auch gelacht werden – ein paar Mal wenigstens.

Haben Sie auch eines der frühen Plakate bzw. den ersten Trailer von ‚The Hitman’s Bodyguard‘ gesehen, bei denen sich die Produzenten bzw. Regisseur Patrick Hughes eindeutig vom 1992er-Blockbuster ‚The Bodyguard‘ mit Kevin Costner und Whitney Houston inspirieren ließen, inklusive der Ewigkeitsschnulze ‚And I will always love you‘? Nun, der Versuch in diese Richtung war zwar naheliegend, geht es doch auch hier um ein eher problematisches Verhältnis zwischen Personenschützer und seiner Kundschaft. Allerdings: Vergessen Sie alle Ähnlichkeiten, romantischen Bezüge und sonstigen Assoziationen zu Mick Jacksons Hit. Denn wenn Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson aufeinandertreffen, geht’s um etwas ganz anderes.

„Langweilig ist am besten“

Vor zwei Jahren noch war Michael Bryce (Ryan Reynolds) der angesagteste und erfolgreichste Personenschützer der Welt mit Designerhaus, elegantem Jaguar, einer 100.000 Euro-Patek Philippe-Uhr (kleiner Tipp an die Ausstatter: Wenn man ihm schon überdeutlich so eine Nobelzwiebel ans Handgelenk hängt, sollte in der nächsten verbundenen Szene keine Omega dort sein, aber das nur nebenbei) samt wunderschöner Frau im Luxusbett. Sein Motto für Aufträge lautet: „Langweilig ist am besten“, also wenn nichts passiert, ist alles okay. Leider ist das gerade beim prestigeträchtigsten Auftrag der Saison – der sicheren Verbringung des Waffenschiebers Kurosawa in seinen Privatjet – nicht der Fall. Der alte Mann wird von einer Kugel erwischt, und wie er stirbt die Karriere des ehrgeizigen Bodyguards.

Jetzt fährt er Autos, die so stinken, dass nicht mal eine Kiste voller Wunderbäume das in den Griff kriegt, statt Patek zeigt eine Supermarktuhr die Zeit an, und seine Aufträge sind billiger, dreckiger und dreimal so gefährlich geworden – und die tolle Frau ist auch weg.

Tiefer Fall eines einstigen Super-Personenschützers

Doch die Welt blickt in diesen Tagen nicht auf Michael, sondern nach Den Haag. Dort steht der ehemalige weißrussische Präsident Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) vor dem Internationalen Gerichtshof, die Vorwürfe gehen vom Völkermord abwärts. Doch weil der Oligarch alles bestochen hat, was bei drei nicht auf den Bäumen war, gibt es nur einen Mann, der ihm gefährlich werden könnte: Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson), der über 200 Leute auf dem Gewissen hat und der einst auch für Dukhovich Oppositionelle ausknipsen sollte. Kincaid sitzt im Gefängnis, und Interpol-Agentin Emilia (Elodie Yung) bzw. ihre Chefin Renata (Tine Joustra) machen ihm ein Angebot: Seine geliebte Frau Sonya (Salma Hayek), ein Vulkan an Gewalt und Aggression, die ebenfalls einsitzt, kommt frei, wenn er in Den Haag aussagt.

Profilkiller Kincaid geht darauf ein und lacht seine Interpol-Beschützer aus. Er weiß, was bevorsteht, und genauso kommt es: In Kompaniestärke fallen die Schergen des Ex-Präsidenten über den Fahrzeugkonvoi der Interpol her, und nach einem Gefecht wie ein mittlerer Nahostkrieg bleiben nur Amelia und Kincaid halbwegs am Leben zurück. Die Beamtin ahnt, dass es einen Maulwurf gibt und sie keinem trauen kann – außer dem abgehalfterten Michael. Denn sie war einst die schöne Frau in seinem Luxusbett, er hielt sie immer zu Unrecht für die undichte Stelle, an der sein Kurosawa-Auftrag und damit seine Karriere scheiterte. Nur mit Zwang und der Hoffnung, seinen Triple-A-Status als Personenschützer zurückzubekommen, lässt er sich darauf ein, an den Tatort zu kommen und seiner Ex zu helfen. Die Stimmung zwischen Amelia und Michael ist sehr gereizt, aber nichts gegen den Moment, als Michael herausfindet, wen er da sicher nach Den Haag bringen soll. Denn Kincaid hat im Zuge seiner Aufträge zwei dutzend Mal versucht, ihn umzubringen bzw. umgekehrt. Und die beiden Jungs fangen sofort wieder zu raufen an, als sie einander erkennen. Nur mit Mühe und dank eines neuen Angriffs der weißrussischen Söldner können sie sich zusammenraufen, um dann gemeinsam zu versuchen, innerhalb von 27 Stunden nach Den Haag zu kommen. Und das wird der wildeste, blutigste und mit den meisten Leichen gepflasterte Trip, den zwei ungleiche Typen des Buddy-Moviegenres je zu erledigen hatten …

Ein Erfolg in den USA

Seit zwei Wochen führt die turbulente Actionkomödie nun schon die US-Kinocharts an, und in der Tat ist es erstaunlich, wie viele aufwendige Verfolgungsjagden (teils auf Niveau von ‚Mission: Impossible‘), Schlägereien, Nahkämpfe, demolierte Autos, Boote, Lastwagen und Gebäude sich um nur 30 Millionen Dollar ausgehen. Dazu große Namen wie Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Salma Hayek, Gary Oldman oder Joaquim de Almeida – da kann man der Produktion null Vorwurf machen, da sieht man jeden Dollar, und das gleich mehrfach. Auch an Tempo und Humor gibt es nichts zu meckern. Wenn Reynolds und Jackson aneinandergeraten - und das tun sie praktisch ständig - dann hat vor allem Jackson wirklich fette Dialoge und er sagt öfter „Motherf****r“, als in all seinen Tarantino-Rollen zusammen. Dass am Ende alles viel zu viel und zu glatt ist wie ein Fast Food-Menü mit 4.000 Kalorien, ist eine andere Sache. Da wäre weniger mehr gewesen. Fazit: Rasant und witzig, Popcorn-Kino.

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