Kick Ass

Komödie/Action, GB/USA 2010
Ein liebenswerter Superheld mit Kick

Ein liebenswerter Superheld mit Kick

Ein Superheld, der nicht so ganz in die Höhe kommt, das ist die Hauptfigur der Teenie-Actionkomödie "Kick-Ass". In seiner Unperfektheit ist Kick-Ass aber unglaublich erfrischend und großartig. Wenn nicht alles täuscht, dürfte der schmächtige Kick-Ass Spider-Man & Co. künftig ziemlich alt aussehen lassen.

Eine Ähnlichkeit mit Spider-Man ist durchaus vorhanden: Kick-Ass alias Dave Lizewski ist ein durchschnittliches Würstchen, das irgendwie die Pubertät zu überstehen versucht. Für Mädchen ist der hormongeplagte Teenager unsichtbar, auf der Straße wird er routinemäßig "abgezogen", seine Freunde sind Nullen wie er, und zu Hause findet er auch keinen Trost. Nach der x-ten Demütigung beschließt er, seinen Comichelden nachzueifern, bestellt einen Taucheranzug und fungiert ihn zum Superhelden-Kostüm um. Mit Maske und Bleirohrknüppel geht der Hänfling als "Kick-Ass" auf Pirsch und stellt zwei Autodiebe. Sie schlagen ihn zusammen, und dann wird er vom Auto überfahren.

Der britische Regisseur Matthew Vaughn ist jener kleine Mann mit Hornbrille, der immer bei Claudia Schiffer im Bild herumsteht. Doch der Model-Gatte hat bereits als Produzent der britischen Gaunerkomödie "Bube, Dame, König Gras" und als Regisseur des Fantasy-Märchens "Sternenwanderer" Renommee erworben. Mit diesem grimmig komischen Superheldenabenteuer, der Verfilmung eines Comicbuchs von Mark Millar ("Wanted") gelang ihm ein echter Coup. Besonders mit "Hit Girl" schmuggelt Vaughn einen ebenso originellen wie fragwürdigen Neuzugang in den Club der Superhelden ein.

Heimlicher Star ist nämlich ein elfjähriges Mädchen, das von seinem Vater zur Kampfmaschine gedrillt wurde. Über Moral möchte man beim Anblick dieser Nachwuchs-Killerin, die mit Butterflymessern jongliert und auf deren Konto Dutzende Leichen gehen, gar nicht erst nachdenken: Die Freigabe erst ab 16 Jahren verwundert nicht. Stilsicher balanciert die Inszenierung zwischen Unschuld und brachialer Gewalt, zwischen Parodie und Hommage, vermeidet billigen Klamauk und liefert elegant choreographierte Actionszenen. So gelingt es Vaughn, sowohl Fans wie Verächter des Genres einzufangen.

Bemerkenswert ist das Ensemble, in dem neben Newcomer Aaron Johnson im etwas schlabbrigen Superheldenkostüm der lustige Christopher Mintz-Plasse auftrumpft. Der Schauspieler, der in Teeniekomödien wie "Super Bad" stets den peinlichen Unterling gibt, ist hier als zweiter Do-it-yourself-Superheld und Sohn des Schurken der Gegner von Kick-Ass. Die 13-jährige Chloë Moretz überzeugt als dynamischer Springteufel mit Bazooka, Nicolas Cage als ihr halbverrückter Superdaddy. Trotz seiner Brutalität ist der Film sympathisch, weil er die Teenies nie vollends dem Spott freigibt: Tarantino für Anfänger, und mit viel Herz.

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