Keller - Teenage Wasteland

Drama/ , I/D/A 2005
Sonja weiß nicht, was man von ihr will

Sonja weiß nicht, was man von ihr will

In den Vororten gibt es nicht viel zu tun. Vor allem für pubertierende Burschen. Doch der Weg aus der Langeweile, den Paul (Ludwig Trepte) und Sebastian (Sergej Moya) in "Keller - Teenage Wasteland" der Wiener Regisseurin Eva Urthaler wählen, gerät schnell außer Kontrolle: Sie entführen eine junge Frau.

Urthaler (Jahrgang 1977) hat einen Coming of Age-Film gedreht, der sich ganz auf die Psyche der drei Menschen im Keller konzentriert. Sebastian, ein 16-jähriger Bursch aus ebenso reichem wie zerrüttetem Haus, sein Freund Paul aus armen Verhältnissen, der seine kranke Mutter (Birgit Doll) umsorgen muss, und Sonja (Elisabetta Rocchetti), eine Supermarktverkäuferin mit gewalttätigem Freund (Georg Friedrich), geraten aneinander. Und während das "Teenage Wasteland" der Umgebung trostlos bleibt, geraten in einer aufgelassenen Fabrik innere Welten aus den Fugen.

Denn die Entführung verläuft nicht wie geplant. Sie war auch nicht geplant. Wo zuerst, nach der spontanen, unüberlegten Tat, noch die Rollen zwischen Tätern und Opfern klar verteilt sind, beginnen rasch die Machtverhältnisse immer heftiger zu fluktuieren. Denn dem zuerst antreibenden Sebastian entgleiten seine beiden Figuren, mit denen er das Spiel des sorglosen Reichen spielen wollte - der in pubertär-homoerotischer Neigung umworbene Paul ebenso wie die zwar körperlich bewegungslos gemachte Sonja, die jedoch vielfältige Emotionen zu wecken weiß, mit denen sie Machtkapital gewinnt. Darunter auch eine durchaus explizite Erotik, mit der keiner der drei umzugehen weiß.

Und wenn sich die beiden Möchtegern-Machthaber einen Kick davon erwartet hatten, dass ihr Opfer leidet, dann haben sie sich verrechnet. Denn Sonja fügt sich allzu gerne in die Rolle des Opfers. Und bald ist gar nicht mehr klar, wer woraus Lust schöpft. So wird die Entführung zu einem Triangel der Emotionen - Eifersucht, Begehren, Ausgeliefertsein -, das sich immer weiter hochschaukelt. Bis ein Schuss fällt.

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