Kater

Drama, A 2016

Kater Moses gehört zur Familie

Händl Klaus liebt lakonische, kurze Filmtitel. Der 2008 in Locarno ausgezeichnete Erstling des in der Schweiz lebenden Tirolers hieß ganz harmlos "März" und handelte vom Dreifachselbstmord junger Männer in einem Dorf und dem Umgang der Hinterbliebenen mit dem Unerklärlichen. Auch sein neuer Film "Kater" lässt viel Raum für Fantasie.

"Kater" ist ein Film, der viele Fährten legt. Und er erzählt eine sich langsam entwickelnde Geschichte, die Geduld erfordert. Beispielhaft dafür ist eine Polizeikontrolle, in die einer der Protagonisten gerät. Er sei viel zu langsam gefahren, heißt es tadelnd, während der zitternde Stefan alle Kraft zusammennehmen muss, um nicht laut loszuschreien. Die Dramatik schlummert unter der friedlichen Oberfläche, wie brodelnde Lava unter einer blühenden Landschaft. Keiner weiß, wann der nächste Ausbruch erfolgen wird.

Stefan ist eine der drei Hauptfiguren. Er ist Hornist in einem Orchester, ein schlanker, sensibler, zurückhaltender Mann mit hoher Stirn. Lukas Turtur, Ensemblemitglied am Residenztheater München, spielt ihn mit Diskretion und Sanftheit. Da ist sein Lebenspartner, der Orchester-Disponent Andreas, aus anderem Holz geschnitzt. Der Wiener Philipp Hochmair, neben seinen zahlreichen Theaterrollen u.a. durch seine Mitwirkung am Kinofilm "Der Glanz des Tages" von Tizza Covi und Rainer Frimmel sowie jüngst durch die Darstellung eines machtgeilen Politikers in der TV-Serie "Vorstadtweiber" bekannt, verströmt Energie und Wachheit. Mit dem Kater Moses bilden sie eine Art Dreier-WG in einem hellen Wiener Vorstadthaus samt Garten, in dem der Kater auf seinen Entdeckungstouren von Kameramann Gerald Kerkletz ebenso sorgsam ins Bild gerückt wird wie die Beziehung der beiden Männer.

In gewisser Weise ist "Kater" natürlich auch ein Tierfilm der anderen Art, er ist ein Musikfilm, aber vor allem ein Beziehungsfilm, in dem die Mensch-Tier-Beziehung ebenso eine Rolle spielt wie die Partnerschaft, aber auch die sozialen Beziehungen, die in zahlreichen Szenen mit dem Orchester (hier sind zahlreiche echte Musiker des ORF Radiosymphonie Orchesters, aber auch Kabarettisten und Schauspieler wie Gerald Votava, Manuel Rubey und Thomas Stipsits im Einsatz) sowie im erweiterten Freundeskreis gezeigt werden.

Lange hält Händl, der in zehn Wochen Drehzeit sein eigenes Drehbuch verfilmt hat, den Zuschauer im Ungewissen, welche Geschichte er eigentlich erzählen möchte. Da verändert ein kurzer Moment der Gewalt alles - Story und Bilder. Wo zuvor Ungezwungenheit und viel nackte Haut von einer paradiesisch anmutenden Idylle erzählt haben, dominieren Misstrauen und Schamhaftigkeit, Schuldgefühle und -zuweisungen, Ängste und Vertrauensverlust die Szenen. Dass "Kater" "auch die Geschichte einer Vertreibung aus dem Paradies" ist, wie es Händl Klaus formuliert, erzählt sich deutlich.

Dieser "Kater" kommt auf leisen Pfoten daher. Von der einnehmenden Putzigkeit, die Katzenvideos zum Internet-Schlager gemacht haben, ist hier allerdings keine Spur. Katzen sind geheimnisvolle und eigenwillige Wesen. Viel von diesem Charakter hat auch dieser Film. Er wird wohl auf freundschaftliche Annahme wie auf Ablehnung stoßen. Es soll ja auch Menschen geben, die Hunde lieber haben. Oder mit Tieren generell nichts anfangen können.

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