Jugend ohne Gott

Drama, D 2017

Titus und Zach geraten aneinander

Ödön von Horváths antifaschistischer 1930er-Roman in einer Adaption für die ‚Tribute von Panem‘-Generation.

Dystopien, also negative Zukunftsvisionen, prägen seit Jahren das junge Fantasy-Kino – siehe ‚Die Tribute von Panem‘, ‚Die Bestimmung‘ oder ‚Maze Runner‘. Insofern macht es durchaus Sinn, dass Regisseur Alain Gsponer seine Adaption des faschismuskritischen Romanklassikers von Ödön von Horváth aus der Zwischenkriegszeit in eine nicht genauer definierte nahe Zukunft verlegt. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe Schüler und ihr Lehrer (Fahri Yardim), die sich bei einem Trainingscamp in den Bergen einen begehrten Platz an einer Elite-Uni sichern wollen. Wobei nur privilegierte Jugendliche aus dem Sektor der "Leistungsträger" dabei sein können, im Gegensatz zu den in slumähnlichen Zuständen hausenden, de facto rechtlosen „Leistungsempfängern“. Während die ehrgeizige Nadesh (Alicia von Rittberg) oder der rücksichtslose Titus (Jannik Schümann) die Camp-Verantwortlichen – u. a. Psychologin Loreen (Anna Maria Mühe) – mit allen Mitteln von ihren Führungsqualitäten überzeugen wollen, wirkt der nachdenkliche Zach (Niewöhner) eher fehl am Platz. Er schreibt seine Gedanken in ein Tagebuch und lässt sich sogar mit der „illegalen“ Ewa (Schüle) ein …

Von Horváths Roman über angepasste Jugendliche ohne Empathie und Zivilcourage ist durchgehend aus Sicht des Lehrers erzählt, dagegen bietet der Film zusätzlich die Perspektiven Nadeshs und Zachs und leistet sich zeitliche Sprünge zurück, wodurch dem Zuschauer erst nach und nach klar wird, was Sache ist. Teils intensive Bilder und talentierte Jungdarsteller machen das Porträt einer seelenlosen Leistungsgesellschaft ohne Moral sehenswert. Ärgerlich: die unverhohlene Nike-Werbung.

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