Jud Süß - Film ohne Gewissen

Drama/Kriegsfilm, D/A 2010
Tobias Moretti und Moritz Bleibtreu

Tobias Moretti und Moritz Bleibtreu

Im Giftschrank der Filmgeschichte lagert seit fünf Jahrzehnten der antisemitische Erfolgsfilm "Jud Süß", der 1940 von Regisseur Veit Harlan im Auftrag von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels gedreht wurde. Regisseur Oskar Roehler widmet sich in seinem Melodram "Jud Süß - Film ohne Gewissen" der Entstehungsgeschichte dieses Machwerks.

Roehler besetzte Tobias Moretti mit der Hauptrolle des Ferdinand Marian, eines von der NS-Macht verführten und zwischen Ruhm und Gewissen zerrissenen Schauspielers, der sich selber doch viel lieber als Vorstadt-Casanova denn als Vorzeigedarsteller der Nazis sah. In die Rolle von Propagandaminister Joseph Goebbels schlüpfte Moritz Bleibtreu, der den Massenmörder mit bewusst clownesken Zügen versah: "Unsere Spitzenhonorare sind steuerfrei", lockt er als Goebbels, "diese Rolle macht Sie weltberühmt."

Dass Marian den Verlockungen erliegt, wird er sich selbst irgendwann nicht mehr verzeihen können. Schon vor seiner Frau (gespielt von Martina Gedeck) und seinem ehemaligen Schauspiel-Kollegen Adolf Wilhelm Deutscher (Heribert Sasse) kann er sein Engagement nicht wirklich rechtfertigen; dass beide später deportiert werden, gibt seinem schlechten Gefühl ein reales Gesicht. Dabei wurde Marian mit "Jud Süß" beim Filmfestival in Venedig gefeiert - doch die anschließende Werbetour und das schlechte Gewissen ersäuft er im Alkohol.

Nach Kriegsende endet der Prozess gegen Harlan - "des Teufels Regisseur" - mit einem Freispruch. Marian verliert jeden Halt. Der Schauspieler stirbt 1946 unter mysteriösen Umständen bei einem Autounfall. Dass weder der gezeigte Tod noch etwa die Tatsache, dass Marians Frau im Film mit jüdischen Wurzeln ausgestattet ist, mit den überlieferten Tatsachen übereinstimmen, ist für Roehler kein größeres Problem, schließlich handle es sich bei "Jud Süß - Film ohne Gewissen" um einen Spielfilm.

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