Joy - Alles außer gewöhnlich

USA 2015

Joy wird mit einer harten Geschäftswelt konfrontiert

"Glaube nie, dass die Welt dir etwas schuldig ist", sagt Jennifer Lawrence in einer von vielen eindringlichen Szenen in der Tragikomödie "Joy - Alles außer gewöhnlich". Kämpferisch und verletzlich zugleich verkörpert Hollywoods gefragteste Jungschauspielerin in ihrem dritten Film mit Regisseur David O. Russell eine beeindruckende Frau mit ungewöhnlicher Erfolgsgeschichte.

"Inspiriert von wahren Geschichten wagemutiger Frauen", steht zu Beginn des Films, "und einer im Speziellen." Die von Lawrence verkörperte Titelheldin hat nämlich ein reales Vorbild: Als dreifache Single-Mutter schlug sich Joy Mangano in Long Island durch, ehe sie dank ihrer Erfindung eines selbstwringenden Wischmopps in den 90er-Jahren zur erfolgreichen Unternehmerin aufstieg. Heute ist Mangano millionenschwere Präsidentin des Haushaltsimperiums "Ingenious Designs" - und Co-Produzentin von David O. Russells Film.

Nach einem Drehbuch von Annie Mumolo ("Brautalarm") rollt "Joy" die turbulente Lebensgeschichte Manganos über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten auf. Als Mädchen ist Joy mit kreativen Ideen und Basteltalent sowie dem Zuspruch ihrer Großmutter Mimi (Diane Ladd) gesegnet, die ihr ein großartiges Familien- wie auch Berufsleben voraussagt. Doch es kommt anders, als Oma denkt: Jahre später ist Joy geschieden, bringt ihre drei Kinder gerade mal so mit einem Job bei einer Fluglinie durch und schupft den Haushalt, in dem Mutter Terry (Virginia Madsen) seit Jahrzehnten vor dem Fernseher ihren Seifenopern frönt und Joys Ex-Mann Tony (Edgar Ramirez) und neuerdings auch Vater Rudy (Robert De Niro) im Keller wohnen.

Not macht erfinderisch, und eine schmerzhafte Putzaktion bringt Joy auf die Idee eines Wischmopps, der nicht per Hand ausgewrungen werden muss - und damit Bakterien, Glassplitter und Ähnliches von den eigenen Händen fernhält. Ihr Vater und dessen neue Freundin, die schwerreiche Witwe Trudy (Isabella Rossellini), erklären sich bereit, für die Produktion das nötige Kleingeld beizuschießen. In weiterer Folge drohen zahlreiche, teils von scheinbaren Verbündeten gelegte Hürden, das Projekt zu kippen und Joy in gewaltige Schulden zu stürzen. Die Wende bringt Neil Walker (Bradley Cooper) als Leiter des neuartigen Shopping-Kanals QVC, bei dem Joys "Miracle Mop" schon bald zum Verkaufsschlager werden soll ...

Als klassische Erfolgsgeschichte bietet "Joy" im Lauf von knapp zwei Stunden so einiges auf: Schräge Charaktere, Dramen um Vertrauensmissbrauch, Verlust und Geldsorgen, Triumphe und Rückschläge - und eine spannende Titelheldin, verkörpert von einer jungen Frau, der man den Kampfgeist schon in der "Tribute von Panem"-Saga hundertprozentig abgekauft hat. Auf der Leinwand sehen wir die erhabene Jennifer Lawrence kraftvoll und doch verletzlich, zielstrebig und doch immer aufrichtig, mit zunehmender Gangster-Attitüde und dabei immer menschlich. Es ist ein Genuss, ihrer Joy dabei zuzusehen, wie sie Unkenrufen zum Trotz auf ihr Können vertraut, sich und ihr Unternehmen rigoros verteidigt, zum wahren Familienoberhaupt entwickelt und als Frau in einer männerdominierten, gnadenlosen Geschäftswelt behauptet.

David O. Russell geht das aber alles andere als klassisch an, springt zwischen Zeitebenen und Genres. Nachgestellte und imaginierte Telenovela-Szenen haben da ebenso Platz wie romantisierte Rückblenden, verwaschene Homevideos und ein betont kitschiger Musical-Moment, in dem Edgar Ramirez und Jennifer Lawrence zauberhaft "Something Stupid" schmettern. Die Musik nimmt generell einen prominenten Platz ein, knallige Popnummern helfen dem Film bei dem einen oder anderen Durchhänger, wieder Fahrt aufzunehmen.

Der Spaß, den dieser irrwitzige Film über weite Strecken macht, ist auch seinen Darstellern anzumerken. "Joy" vereint die 25-jährige Lawrence nach "Silver Lining" und "American Hustle" nicht nur mit Regisseur David O. Russell, sondern auch mit den Co-Darstellern Bradley Cooper und Robert De Niro. Letzterer grantelt sich wunderbar als wankelmütiger, zerknautschter Rudy durch den Film, während Cooper den Zuseher kongenial mit der Euphorie des Teleshoppings anzustecken vermag.

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