Jonathan: Rührsal in schönen Bildern

Drama, D 2016

Jonathan kümmert sich um seinen schwerkranken Vater

Es ist schwierig, nicht ins Kitschige, Pathetische abzudriften, wenn es um Liebe und Tod geht, um Familiengeheimnisse, die erst zum Ende des Lebens gelüftet werden. Der in Warschau geborene Regisseur und Drehbuchautor Piotr J. Lewandowski hat sich im Familiendrama "Jonathan" genau an diese Themen gewagt und schafft es, sinnlich-schön und todtraurig von all dem zu erzählen. Jonathan (Niewöhner, l.), 23, kümmert sich um seinen krebskranken Vater und gemeinsam mit seiner Tante um den Bauernhof der Familie. Zwei Neuankömmlinge sorgen für Emotionen: Papas neue Pflegerin (Koschitz) und sein Jugendfreund Ron...

Die Männer könnten nicht unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite Jonathan (Jannis Niewöhner), vor Kraft strotzend durch die harte Arbeit auf dem elterlichen Hof, gut aussehend, jung und klug, dabei zurückhaltend ernst. Auf der anderen Seite sein an Hautkrebs dahinsiechender Vater Burghardt (Andre M. Hennicke), ausgemergelt, lebensmüde, resigniert. Jonathan pflegt seinen Vater und bewirtschaftet den Hof zusammen mit der Schwester seines Vaters, Martha (Barbara Auer). Bruder und Schwester reden seit Jahren nicht mehr miteinander.

Als Jonathan die Pflege des Vaters nicht mehr alleine schafft, engagiert er eine junge Pflegerin. Wie in einem Traum erscheint Anka (Julia Koschitz) eines Abends auf dem Dachboden, wo Jonathan in einer Hängematte liegt. "Ich hab' geträumt von einem Engel, der mir hilft einzuschlafen", sagt Jonathan, der sich ebenso wenig wie der Zuschauer über das plötzliche Erscheinen von Anka wundert und sich sofort in sie verliebt. Es ist nur eine dieser sinnlich-traumähnlichen Szenen, die diesen Film bestimmen.

Da hält Jonathan mit seinen kräftigen Händen das Gesicht seines weinenden Vaters inmitten des Waldes, Schmetterlinge flattern in Nahaufnahmen von Blüte zu Blüte, Spinnen ziehen im rustikalen und zugleich pittoresken Bauernhof irgendwo im Schwarzwald ihre Fäden. Kameramann Jeremy Rouse fängt all diese Momente ein. Das könnte auch einmal zu viel werden, wird es aber nicht. Den wunderschönen Bildern setzen er und Regisseur Lewandowski Dialoge und Bilder entgegen, die im krassen Gegensatz zu der lieblichen Natur stehen: Burghardt im weißen Krankenbett in der Klinik, lakonisch vorgetragene Sätze wie "Ich bin gerade ein bisschen mit Sterben beschäftigt" oder "Es ist eine romantische Vorstellung, dass man plötzlich reden kann, nur weil jemand stirbt.".

Denn es wird wenig gesprochen in diesem Familiendrama - und es wurde wenig gesprochen in der Familie. Über den frühen Tod der Mutter, das Zerwürfnis mit der Schwester Martha und auch über den Jugendfreund Ron (Thomas Sarbacher), der ebenfalls plötzlich auftaucht und den Martha mit der Flinte zunächst vom Hof jagt. Da lässt sich erahnen, dass die Mutter nicht bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, Martha zutiefst gekränkt wurde und Burghardt und Ron vor langer, langer Zeit ein Paar waren.

Ganz ohne Pathos oder einem Hauch von Kitsch kommt dann Lewandowski doch nicht aus. Aber es sind diese unglaubliche Sinnlichkeit, Magie und Melancholie, die betören; und es sind Bilder von Krankheit, Tod und Homosexualität, die sonst im Film nur selten zu sehen sind. "Jonathan" ist ein mutiger und ein wunderschön trauriger Film, der lange nachwirkt.

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