John Wick: Kapitel 3

Action, USA 2019

John Wick: Kapitel 3

„Wenn du Frieden willst, bereite dich auf Krieg vor.“ Keine Angst vor wilder Brutalität und viel Filmblut? Dann viel Spaß bei Teil 3 des toll gemachten B-Movie-Franchise. Allerdings sollte man wissen, was bisher geschah!

Darum vorab kurz, wie alles begann: Für seine geliebte Frau hat John Wick (Keanu Reeves), einst unschlagbarer Auftragskiller eines russischen Gangstersyndikats, seinen Job an den Nagel gehängt. Doch die Frau stirbt an einer seltenen Krankheit, hinterlässt ihm einen Hund. Weil sie seinen seltenen Ford Mustang wollen, überfallen Gangster Wick im Schlaf, quälen und töten den Hund. Der nachfolgende Rachefeldzug bringt ans Tageslicht, dass der Sohn seines einstigen Bosses, dem er an die Spitze der Syndikate verhalf, dafür verantwortlich ist. Alle jagen John Wick, auf den ein hohes Kopfgeld ausgesetzt wird; Wick wiederum bringt um, was ihm in den Weg kommt. Einziger Platz zum Ausruhen: das noble Hotel Continental, geführt vom eleganten Winston (Ian McShane). Hier, so die Regel der höchsten Verbrecherorganisation, dürfen keine Geschäfte gemacht, hier darf ja kein Mord begangen werden. Nach 100 Minuten sind bis auf Wick und Winston praktisch alle tot, der Profikiller im schwarzen Anzug hat etwas Luft und einen neuen Hund – Ende Teil 1 (2014).

Gleich zu Beginn von Teil 2 (2017) holt sich John Wick seinen Mustang von den Russen zurück, schließt trotz Dutzender Toter Frieden und zieht sich wieder in den Ruhestand zurück – aus dem ihn ein Italo-Mafioso, dem er einen Gefallen schuldet, brutal herausreißt. Der emeritierte Killer geht zähneknirschend auf den Auftrag ein: die Schwester des Auftraggebers in Rom eliminieren. Was auch gelingt, aber plötzlich sind wieder alle hinter John Wick her, was meterhohe Leichenstapel zur Folge hat. Am Ende tötet John Wick seinen Auftraggeber innerhalb der heiligen No-Kill-Zone des Continental. Es werden 14 Millionen Dollar auf seinen Kopf ausgesetzt; Winston gibt ihm seinen Hund zurück und eine Stunde Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Dann wird ihn die ganze Unterwelt rund um den Erdball jagen – Ende Teil 2.

Neues Kapitel der Wi(c)kipedia

Teil 3, der jetzt im Kino startet, setzt wenige Minuten danach ein. Tatsächlich hetzt jeder Gesetzlose der Stadt den verletzten John Wick, und der muss etwa zwei Einrückungsjahrgänge Jungmobster aller möglichen Ethnien in die ewigen Jagdgründe schicken, ehe er in trügerischer Sicherheit ist: dort, wo er aufgewachsen ist, in einem russischen Balletttheater, geführt von einer eisenharten Direktorin (Anjelica Huston), die ihre Elevinnen so behandelt, dass der jüngste Staatsopernballettskandal daneben wie politisch korrekter Kinderfasching wirkt. Und wir erfahren, dass John Wick eigentlich eine weißrussische Waise war. Über Umwege durch die marokkanische Continental-Filiale, die benachbarte Wüste, mithilfe einer früheren Kollegin (Halle Berry) und erneut produzierter Leichenberge schafft es Wick bis zum obersten Boss aller Syndikate, der ihm in Aussicht stellt: Töte Winston und alles ist vergeben und vergessen. Denn der hohe Vebrecherrat ist gerade dabei, alle lokalen Sub-Bosse, die nicht bedingungslos gehorchen, brutal zur Ordnung zu rufen. Wie viele Leute muss Wick noch killen, um da wieder rauszukommen? Vor allem der leicht durchgeknallte Martial-Arts-Asiate Zero (Mark Dacascos) ist hinter ihm her ...

Action-Overkill

Sollte es bei den kommenden Oscars zufällig eine Sonderkategorie für den höchsten Bodycount der abgelaufenen Filmsaison geben, dürften Regisseur Chad Stahelski und sein fast 55-jähriger Hauptdarsteller (der die Kondition eines Twens zeigt, bravo!) schon mal für die Dankesreden üben – Spezialpreis für die haushoch gewonnene Headshot-Challenge inklusive. Stahelski hat das Prinzip seiner Vorgängerfilme – das ironisch-beiläufige, aber trotzdem spektakuläre Dauerkillen zwischen Unterweltlern – in Teil 3 weiter gesteigert und perfektioniert, auch wenn – so ehrlich muss man sein – die minutenlangen Kampf-und Kopfschusschoreografien manchmal ein wenig ermüden. Trotzdem macht es perversen Spaß zuzusehen, wie Keanu Reeves seine stets finster-hässlichen Gegner (die immer schlechter schießen und meist hirnloser kämpfen als die Star Wars-Sturmtruppen) mit allem abmurkst , was verfügbar ist. Bücher und Gürtel, sogar Pferde erweisen sich als tödliche Waffen; die beiden prächtigen belgischen Mali-Schäferhunde von Halle Berry sowieso. Schneeflocke sollte man keine sein, um an John Wick: Kapitel 3 Spaß zu haben. Aber abseits der möglichen Diskussion, wie gut oder verwerflich so eine überdrehte Blutoper prinzipiell ist: Inszenierung, Action-Kreativität, Besetzung, Ausstattung, Ästhetik, grimmiger Humor und jeder sonstige handwerkliche Aspekt sind für ein als bunte B-Movie-Reihe angelegtes Franchise (Teil 1 kostete 20 Millionen, der Rest war wohl deutlich teurer) tadellos. In den USA verdrängte John Wick: Chapter 3 – Parabellum die Avengers von Platz 1; das Konzept funktioniert also besser denn je. Und es wird wohl weitergehen, denn das Ende dieses Films ist nur ein weiterer zwingender Cliffhanger für kommende Abenteuer.

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