John Rabe

Drama/Kriegsfilm, F/RC/D 2009
Rabe ist Held wider Willen

Rabe ist Held wider Willen

Der Mann war ein Nazi, aber er vollbrachte eine mutige, menschlich beeindruckende Tat. John Rabe (1882-1950) bewahrte 1937 in China rund 250.000 Menschen vor den Bombenangriffen der Japaner. Regisseur Florian Gallenberger ("Quiero ser - Gestohlene Träume") setzt dem Helden wider Willen jetzt ein filmisches Denkmal. Sein Blick auf Rabes Geschichte vermeidet eine historische Schwarz-Weiß-Malerei.

NSDAP-Mitglied John Rabe (Tukur) lebt Mitte der 1930er Jahre schon seit langem mit seiner Frau Dora (Dagmar Manzel) in Nanking. Er leitet die örtliche Siemens-Filiale. Als japanische Flugzeuge Nanking bombardieren, öffnet er die Tore der Fabrik, um Arbeitern Schutz zu gewähren. Gemeinsam mit anderen einflussreichen Ausländern, die ihm keineswegs alle wohl gesonnen sind, errichtet und leitet er schließlich eine Schutzzone für die Zivilbevölkerung.

Gallenberger, 2001 mit dem "Oscar" für seinen Kurzfilm "Quiero ser Gestohlene Träume" ausgezeichnet, stellt bei seinem Blick auf Rabes Leben das Aberwitzige in den Mittelpunkt. Mit 15 Millionen Euro hat er keine klotzige Großproduktion realisiert. Kammerspielartig dicht versucht er, sich dem Mann, zu nähern. Behutsam darauf bedacht, keine Schönfärberei zu betreiben, verklärt der Film John Rabe keineswegs als Kerl ohne Fehl und Tadel oder gar als bewussten Widerstandkämpfer gegen den Terror der Nazis.

Der ruhige Film zeigt deutlich, dass Rabe an die Spitze des Schutzzonen-Komitees gedrängt wurde. Dort hat er die ihm nun auferlegte Pflicht mit deutscher Gründlichkeit erfüllt. Die sich daraus ergebende Zweideutigkeit sorgt für große Spannung. Wenn da etwa Hunderte Menschen Schutz unter einer überdimensionalen Hakenkreuzfahne finden, bekommt der Zuschauer eine Gänsehaut und einiges zum Grübeln mit auf den Weg.

John Rabe wurde als deutsch-französisch-chinesische Koproduktion überwiegend in China gedreht. Mit gleich sieben Nominierungen, darunter in den Kategorien "Bester Spielfilm", "Beste Regie" (Gallenberger) und "Bester Hauptdarsteller" (Ulrich Tukur) ist das Historiendrama haushoher Favorit der 59. Verleihung des Deutschen Filmpreises. Die "Lola" wird am 24. April in Berlin übergeben.

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