Jesus, Du weißt

Dokumentation/ , A 2003
"Berühre die Herzen der Zuschauer"

"Berühre die Herzen der Zuschauer"

"Jesus, in diesem Film sollst du vorgestellt werden", sagt jemand gleich zu Beginn von "Jesus, du weißt" vor dem Altar und bittet: "Berühre die Herzen der Zuschauer." Doch Ulrich Seidl geht es in seinem neuen Film weniger um Jesus als um die Menschen, die an ihn glauben.

Die sechs Menschen, die Seidl zeigt, wenden sich mit den unterschiedlichsten Anliegen an ihren Herrn. Eine Frau bittet für ihren kranken Mann - nicht für seine Gesundheit, sondern darum, dass er die Krankheit "anzunehmen" lernt. Der Lohn dafür: "Die Ewigkeit wird dann schön für dich!" Ein junger Bursch, der täglich in die Messe geht, beichtet seine sexuellen Fantasien, die ihn bei der Lektüre von "tv-media" ständig bedrängen. Vor allem sind es aber Beziehungsprobleme, die die Menschen bedrücken.

Nicht immer aber hält die Gläubigkeit jedem Zweifel stand: "Ich weiß nicht, was das soll", beschwert sich ein verstörtes Mädchen, dem sein Freund statt des erhofften Liebesgeständnisses eröffnet hat, ins Kloster gehen zu wollen. Seidl, der seine Kamera konsequent in Altarposition aufbaut und zwischen den Monologen in ruhigen Bildern seine Protagonisten beobachtet oder Kirchenchöre zum Choral bittet, lässt die Menschen einfach reden. Und das ist auch das Hauptproblem des Streifens - immer mehr schleicht sich nämlich das Gefühl ein, hier gehe es manchen der Porträtierten mehr um die Möglichkeit der Selbstdarstellung vor der Kamera als um die der religiös geprägten Zwiesprache.

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