Jerichow

Drama, D 2008
Nina Hoss zwischen zwei Männern

Nina Hoss zwischen zwei Männern

Der deutsche Regisseur Christian Petzold widmet sich wieder einmal einer Alltagstragödie: Laura (Nina Hoss) und der Deutsch-Türke Ali (Hilmi Sözer) sind verheiratet, bis der Ex-Soldat Thomas (Benno Fürmann) eine Affäre mit Laura beginnt. Schnell gerät das Leben aller Beteiligten aus den Fugen und bringt ihre dunklen Seiten zum Vorschein. Vor allem Nina Hoss brilliert als Frau mit zwei Gesichtern.

Es sind spröde, raue Bilder, die der 48-jährige Petzold aus der tristen ostdeutschen Provinz zeigt. Der Film spielt in dem kleinen Ort Jerichow in Sachsen-Anhalt, gedreht wurde aber größtenteils in Brandenburg. Thomas, ein unehrenhaft entlassener Zeitsoldat kehrt für die Beerdigung seiner Mutter nach Jerichow zurück. Dort will er ihr heruntergekommenes Haus renovieren, doch das Geld dafür muss er schon bald an einen Schuldner abtreten. Da lernt er durch Zufall den erfolgreichen Geschäftsmann Ali kennen, der in der Region mehrere Imbisse betreibt. Ali bietet Thomas an, als sein Fahrer zu arbeiten. Dann kommt es, wie es kommen muss: Thomas beginnt eine Affäre mit Alis wunderschön strahlender Ehefrau Laura.

"Jerichow" ist jedoch nicht einfach eine Dreiecksgeschichte, sondern entwickelt sich - angelehnt an den Roman "The postman always rings twice" von James Cain - zu einem stillen, aber dramatischen Thriller um Gier, Geld und Leidenschaft. "Man kann sich nicht lieben, wenn man kein Geld hat", lautet zuerst Lauras trostloses Fazit ihrer Affäre. Schließlich aber geben Thomas und sie sich damit nicht zufrieden. Sie wollen mehr und sind dafür sogar bereit, ein Verbrechen zu begehen. Die innere Leere der Protagonisten wird dabei durch die Weite der Provinz verbildlicht. Denn selbst wenn Laura, Thomas oder Ali ein klares Ziel vor Augen haben, heftet ihnen doch immer etwas Verlorenes und Hilfloses an, sie finden in der Gesellschaft keinen Halt.

Mit "Jerichow" beweist Petzold einmal mehr sein Gespür für realitätsnahe Abbildungen menschlicher Zerrissenheiten. Während Vorgängerfilme wie "Yella" dabei noch wie in einem Schwebezustand wirkten, scheint "Jerichow" geerdeter, authentischer. Besonders überzeugend wirkt "Jerichow" wegen seiner Darsteller. Vor allem die gute Chemie zwischen der überragenden Hoss und dem einzelgängerischen Fürmann sorgt für eindringliche Szenen.

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