Jarhead

Action/Komödie, USA 2005
Jake Gyllenhaal lernt, wie man modern Krieg führt

Jake Gyllenhaal lernt, wie man modern Krieg führt

Nachdem die Bombe explodiert, wird es still. Das ist die erste Feuerprobe des jungen amerikanischen Scharfschützen Anthony Swofford im Golfkrieg von 1991. Er beschrieb, wie er die Operation "Wüstensturm" zur Befreiung Kuwaits von irakischen Truppen erlebte, im Buch "Jarhead". Regisseur Sam Mendes machte einen beeindruckenden Film daraus.

Es ist ein ungewöhnlicher Film geworden, der zwischen Reportage, Kriegsdrama und einer Studie menschlicher Charaktere in Extremsituationen balanciert. Erstens, weil er es schafft, fesselnd zu bleiben, auch wenn es die meiste Zeit darum geht, dass nichts passiert. Zweitens, weil er konsequent aus der Sicht der Beteiligten gedreht ist. Mendes setzte vor allem auf Handkameras in Augenhöhe, es ist sozusagen ein Blick aus dem Soldatenkopf heraus. Keine Vogelperspektiven, keine Panorama- Aufnahmen, keine politische Botschaft, die meiste Zeit nur ein Häufchen Männer und viel, viel Sand, trocken und nüchtern gefilmt.

Einen "modernen Krieg" führen heißt warten, muss Swofford, überzeugend gespielt von Jake Gyllenhaal, schnell lernen. Nach dem zermürbenden Drill des Trainingslagers unter dem gnadenlosen Sergeant Sykes (Jamie Foxx) landet er mit tausenden anderen Marines, in Anspielung an die kahl geschorenen Schädel auch "Jarheads" ("Topfköpfe") genannt, mit 20 Jahren in der heißen Wüste - aufgeregt, übermotiviert, voller Angst und doch frei von Zweifeln in ihrer patriotischen Verblendung. Sie schlagen ihre Zelte auf, schwitzen sich bei Läufen mit voller Ausrüstung fast zu Tode und müssen sich das Wasser anschließend literweise wieder einflößen.

Essen, Schwitzen, Trinken, Schlafen, Masturbieren - in diesem Kreislauf vergehen Monate, es ist zum Durchdrehen und diese explosive Stimmung aus Einsamkeit, Frust und aufgestauter Aggression kommt von der Leinwand so dicht rüber als sei man mittendrin. Die Soldaten sind selbst zu Bomben geworden, und ein Funke genügt, um sie zu zünden, sei es ein Football-Spiel in Gasmasken in sengender Hitze, die Untreue einer Ehefrau oder ein Streit.

Als die Kampfhandlungen schließlich beginnen, bleibt es für die Männer am Boden ein seltsamer Krieg. Getrimmt aufs Töten und auf verstörende Weise hungrig danach, rücken sie ohne einen einzigen Schuss vor, der Weg freigebombt durch die Luftwaffe. Kurz darauf sollen "Swoff" und sein Partner Troy (Peter Sarsgaard) doch noch die Chance zu dem von ihnen so heiß ersehnten Todesschuss bekommen: Das Ziel ist ein ranghoher irakischer Offizier in einem Flughafen-Tower. Doch wen würde es wundern, wenn in einem "sauberen Krieg" alles noch ganz anders kommen sollte.

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