Janis - Little Girl Blue

Dokumentation, USA 2015

Berg macht strauchelnden Menschen hinter der Hippie-Legende greifbar

Federboa, übergroße Brille, wallende Haare und ein lauter, schmutziger Lacher: Gegen Ende ihres kurzen, rebellischen Lebens sei Blues-Ikone Janis Joplin eine Karikatur ihrer selbst geworden, sagt ein Weggefährte in der Doku "Janis - Little Girl Blue". Die renommierte Dokumentarfilmerin Amy Berg macht darin den strauchelnden Menschen hinter der Hippie-Legende greifbar.

1970 starb Janis Joplin im Alter von nur 27 Jahren an einer Überdosis Heroin. Es ist die dritte Doku über ein ikonisches Mitglied des berüchtigten "Club 27" innerhalb kurzer Zeit: Wie Brett Morgen ("Cobain: Montage of Heck" über Kurt Cobain) und Asif Kapadia ("Amy" über Amy Winehouse) hatte auch Amy Berg Zugang zum privaten Archiv der Familie ihrer Protagonistin. Zahlreiche geplante Dokus und Biopics über die legendäre Blues-Rockerin, darunter ein Filmprojekt mit Sängerin Pink in der Hauptrolle, waren versandet, ehe Amy Berg Joplins Geschwister Laura und Michael, die den Nachlass verwalten, von ihrer Herangehensweise überzeugen konnte.

Berg, seit ihrer Jugendzeit selbst großer Joplin-Fan, arbeitete sieben Jahre lang an ihrem Film und nutzte das, was ihr zur Verfügung stand, bestmöglich: Mit teils bisher unveröffentlichten Konzertaufnahmen und TV-Auftritten führt sie die unnachahmliche Reibeisen-Stimme und Bühnenpräsenz der Musikerin vor Augen; mittels privater Fotos, Notizen und Scans aus Sammelalben, vor allem aber Joplins Briefen an Familienmitglieder und Freunde offenbart Berg zudem eine zutiefst verletzliche, seit frühester Kindheit nach Anerkennung strebende Frau, die mit ihrer übergroßen Bühnen-Persona eine Lücke zu füllen versuchte.

Wurde Regisseur Asif Kapadia vorgeworfen, die unter ähnlichen Umständen verstorbene Amy Winehouse durch die beträchtliche Nutzung von Paparazzi- und Home-Video-Aufnahmen in seiner Oscar-nominierten Doku weiter auszuschlachten, wirkt "Janis - Little Girl Blue" persönlich, aber nie invasiv. Das liegt vor allem daran, dass Berg Joplin ihre Geschichte gewissermaßen selbst erzählen lässt: Ihre Briefe an diversen Stationen ihres Lebens, vorgelesen von der Musikerin Chan Marshall alias Cat Power, geben die Struktur des Films vor.

Wie Jim Morrison oder Jimi Hendrix sei auch Janis auf der Bühne "übergroß" gewesen und habe "mit ihren Performances so viel von sich selbst gegeben, dass sie abseits der Bühne Schwierigkeiten hatte, diese Rolle aufrecht zu erhalten", meinte Berg zur APA. "Da kamen die Drogen ins Spiel: Es war ihr Weg, sich von dem abzugrenzen, was von ihr erwartet wurde." Dass Joplin zuletzt drogenfrei lebte und mit den Aufnahmen zu ihrem posthum veröffentlichten Meisterwerk "Pearl" mit Hits wie "Me and Bobby McGee" zu neuer Höhe fand, sollte ihren Tod an einer Heroin-Überdosis am 4. Oktober 1970 noch tragischer machen. Welchen Einfluss sie auf Generationen von Musikerinnen nach ihr hatte, machen Wortspenden von u.a. Melissa Etheridge, Juliette Lewis und Pink im Abspann deutlich.

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