Jane's Journey

Dokumentation, D 2010
Eine lebende Legende

Eine lebende Legende

Sie veränderte unser Denken über die Affen. Jane Goodall ging als Laiin in den Dschungel - und wurde zur Ikone der Verhaltensforschung. Eine Dokumentation zeigt, dass die Britin auch mit 76 Jahren nicht müde wird, für ihre Schützlinge zu kämpfen.

Dian Fossey, Birute Galdikas, Jane Goodall - drei junge Frauen haben das Bild vom Menschenaffen komplett gewandelt. Sie kamen dem Leben der Tiere in Freiheit so nah wie kein Forscher zuvor und berichteten von Werkzeuggebrauch, starker Mutterliebe und wohlorganisierten Gruppen. Über die Britin Jane Goodall ist nun ein Dokumentarfilm entstanden. "Jane's Journey" zeigt, wie aus einer Sekretärin die wohl bekannteste Affenforscherin der Welt wurde.

Häufig werde sie mit Dian Fossey verwechselt, sagt die zierliche weißhaarige Dame zu Beginn des Films unter der Regie von Lorenz Knauer. Komme dann die Sprache auf den Film "Gorillas im Nebel", frage sie ihr Gegenüber gern: "Haben Sie den Film gesehen? Ja? Erinnern Sie sich, dass die Frau stirbt? Ja? Tja, aber hier bin ich." Fossey, die das Leben ruandischer Berggorillas erforscht hatte, war 1985 ermordet worden.

Von einem Kamerateam begleitet hat sich Goodall, die mittlerweile 76 Jahre alt ist, noch einmal auf die Reise zu ihren Schützlingen in den heutigen Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania begeben. Immer wieder, wenn sie auf einem Hügel sitzt, lächelnd einem Schimpansen zusieht, alte Pfade beschreitet, blendet das Bild über zu Aufnahmen von 1960 an: Eine hübsche junge Frau, die umgeben von üppigem Grün Schimpansen beobachtet, berührt, mit ihnen spielt.

Wie Galdikas und Fossey hatte ein umstrittener Wissenschaftler auch Goodall das Abenteuer ihres Lebens möglich gemacht: der Paläoanthropologe Louis Leakey. Er war fasziniert von der Entstehung der Menschen - und überzeugt, dass Frauen ohne wissenschaftliche Scheuklappen besser für Verhaltensbeobachtungen geeignet sind. Von ihnen erhoffte sich Leakey Hinweise auf das Verhalten der Vormenschen.

Von Mitte der 80er Jahre an wandelte sich Goodall von der Wissenschaftlerin zur Aktivistin. Unermüdlich reist sie seither zu Konferenzen und Vorträgen und ist dabei als "Botschafterin der Menschenaffen" oft 300 Tage im Jahr unterwegs. Der Film zeigt die zierliche alte Dame in Grönland, wie sie abbrechende Eisblöcke beobachtet, und in einem von Dürre geplagten Reservat im US-Bundesstaat South Dakota.

Neben Goodall kommen zudem Familienmitglieder, Freunde und Bewunderer zu Wort. Sohn "Grub" (Hugo Eric Louis) erzählt, warum er mit seiner Mutter lange Zeit zerstritten war.

Zwei Jahre lang hat Knauer die UN-Friedensbotschafterin begleitet. Entstanden ist ein würdevolles, emotionales Porträt einer charismatischen, starken und charmanten Frau, die sich ihren Lebenstraum erfüllt hat. Spannend sind dabei vor allem die alten Filmaufnahmen und Goodalls Erklärungen.

Dass prominente Bewunderer wie Pierce Brosnan und Angelina Jolie voll des professionell formulierten Lobes sind, ist hingegen viel zu vorhersehbar, um faszinierend zu sein. Und es sorgt, verstärkt von der Filmmusik, für eine Überdosis Gutmenschenschwärmerei - die eine Dokumentation über Jane Goodall überhaupt nicht nötig gehabt hätte. Statt weiter am "Menschen" Jane und ihrem Leben dranzubleiben, wirkt "Jane's Journey" zum Ende hin manchmal wie ein Werbefilm für Hilfsprojekte. Dennoch höchst sehenswert!

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