Jacques - Entdecker der Ozeane

Abenteuer, F 2016

Das Meer - es lockt Jacques Cousteau in die Tiefe

Als rotbemützte Meereskoryphäe hat Bill Murray Jacques-Yves Cousteau in Wes Andersons Komödie "Die Tiefseetaucher" ein satirisches Denkmal gesetzt. Nun widmet sich eine französische, starbesetzte Großproduktion dem legendären Meeresforscher: "Jacques - Entdecker der Ozeane" ist das stimmige Porträt eines widersprüchlichen Alphatiers - und besticht durch atemberaubende Bilder.

Der französische Regisseur Jerome Salle ("Zulu") setzt sein filmisches Porträt des berühmten "Commandant Cousteau" (1910-1997) mit der charakteristischen roten Wollmütze im Jahr 1949 an. Jacques Cousteau (Lambert Wilson) ist 39, arbeitet seit einem unerfüllten Pilotentraum bei der Marine und lebt gemeinsam mit seiner (ersten) Frau Simone (Audrey Tatou) und den beiden Söhnen Jean-Michel und Philippe eine Familienidylle an der französischen Mittelmeerküste. Mit zwei Kollegen hat er da bereits das vom Österreicher Hans Hass erdachte Drucklufttauchgerät "Aqualunge" weiterentwickelt und erste Unterwasserfilme gedreht.

Doch Jacques träumt von einer "ganzen Welt, die es zu entdecken gibt" - und Simone träumt mit. Um das Minensuchboot "Calpyso" zum Forschungsschiff auszubauen, verkauft sie all ihren Erbschmuck. 1951 stecken sie ihre Söhne ins Internat und brechen zur ersten Expedition zu den Korallenriffen im Roten Meer auf. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen bringt Cousteau Bilder einer bisher unerforschten, atemberaubenden Unterwasserwelt mit, die in seinen mit der Goldenen Palme und dem Oscar ausgezeichneten Film "Die schweigende Welt" fließen sollten.

Als der erwachsene Lieblingssohn Philippe (Pierre Niney) mit eigenen Filmemacher-Ambitionen Jahre später auf das Schiff kommt, ist die Unternehmung auf ein Imperium angewachsen - und sein Vater, nun dank Kino- und Fernsehfilmen ein Weltstar und notorischer Frauenheld, kaum wiederzuerkennen. Die Forschung ist hinter die Inszenierung gerückt, die Abenteuerlust dem Geschäftssinn gewichen, die Liebe für den Ozean in dessen Ausbeutung umgeschlagen - und dann kündigt sich auch noch eine hohe Verschuldung an. Es dauert nicht lange, bis es zwischen Vater und Sohn kracht. Doch eine gemeinsame Expedition in die bedrohte Antarktis führt auch Cousteau senior den Handlungsbedarf vor Augen.

Stellenweise konstruiert wirken die Spannungen zwischen Cousteau und seiner Ehefrau respektive seinen Söhnen; Dialoge kommen zumeist nicht über die Oberfläche hinaus. Die große Stärke von "Jacques - Entdecker der Ozeane" aber ist die dargestellte Wandlung vom Pionier mit Allmachtsfantasien zum ersten modernen Umweltschützer, charismatisch und widersprüchlich dargestellt vom für die Rolle erschlankten Lambert Wilson ("Von Menschen und Göttern").

So mitreißend Cousteaus Abenteuerlust und so dringlich sein später Appell für den Schutz der Meere ist, so wenig spart Salle die fragwürdigen Deals mit der Ölindustrie, Kompromisse mit Produktionsfirmen und den sorglosen Umgang mit dem Ozean und seinen Bewohnern aus. Über eine Zeitspanne von mehr als 30 Jahren, in der Wilson und Tatou dank Maskenbildnerkunst altern, gelingt dem Filmemacher ein persönliches Porträt, das die Ikone vermenschlicht und gerade heute, da der Reality-Wahnsinn auf die Spitze getrieben und der Klimawandel als größte Herausforderung unserer Zeit begriffen wird, widerhallt.

Das 35-Millionen-Euro-Budget sieht man "Jacques" vor allem an den beeindruckenden Aufnahmen unter und über Wasser an, die an vielen Originalschauplätzen in u.a. Argentinien, Südafrika und in der Antarktis gemacht wurden. Das tiefe Blau auf der Kinoleinwand macht die romantisierte Vorstellung Cousteaus von einem Leben unter Wasser nachvollziehbar; eine ungemein spannende, intensive Szene mit einem Haischwarm führt die Gefahren vor Augen. Auch für Momente der Inspiration Cousteaus findet Salle schöne Bilder - etwa das "viele Blau" auf dem erleuchteten Globus oder die gebannt vor ihren Fernsehbildschirmen sitzenden Nachbarn im Haus gegenüber. Untergemischt sind Szenen aus Cousteaus frühen Filmen, die einst Millionen von Zuschauern die Unterwasserwelten vor Augen führten. Die Faszination ist 60 Jahre später nicht weniger geworden.

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